• Autrice Regan Holdridge

Weihnachten bin ich Zuhaus' - Familie, Besinnlichkeit und Melancholie

Aktualisiert: 29. Nov. 2021

In wenigen Wochen ist es wieder soweit: Das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Für die wenigsten Menschen in unserem Breitenkreis hat es noch etwas mit Christentum und Glaube zu tun. Genügend wissen noch nicht einmal mehr, weshalb Weihnachten überhaupt in unserer Kultur gefeiert wird... Hauptsache, man kann dem Konsum frönen.

Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich zwar in einer ausgesprochen religiösen Familie aufgewachsen bin, die sich bis heute für die Kirche und deren Gemeinde engagiert, ich allerdings nie wirklich den Bezug dazu gefunden habe. Bis heute sind mir Glaube, Gebete und alles, was damit zusammenhängt, eher suspekt. Schon als Kind konnte ich den Geschichten aus der Bibel, die in der Schule gelehrt wurden, nichts abgewinnen. Vielleicht war ich von jeher zu sehr geerdet, zu geradlinig, zu realistisch veranlagt – obwohl in mir diese überschäumende Fantasie brodelt, die mich dazu treibt, meine Romane zu tippen.

Es gibt ganz sicher Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir nicht erklären können,; die einen Ursprung haben, den wir nicht mit unseren physikalischen Gesetzen und wissenschaftlichen Erkenntnissen begründen können. Ich glaube an die Macht des eigenen Willens, der Schöpfungskraft unserer Gedanken und Visionen. Ich glaube daran, dass unser Bauch, unser Instinkt oft mehr weiß als unser Verstand. Vielleicht ist dieser Bauch in Wahrheit unsere Seele, die in so großen Worten in der Poesie immer wieder beschrieben wird und irgendwie doch nie richtig greifbar ist. Dieser Bauch weiß häufig so viel mehr als wir mit unserem ausgereiften, hochkomplexen Gehirn, welches zu solch unglaublichen Leistungen fähig ist...und doch geben wir dem Instinkt meist viel zu wenig Gehör. Wir unterdrücken, wir ignorieren seine Zeichen, um dem rationalen Verstand den Vorrang zu lassen, ohne zu merken, dass wir uns am meisten selbst damit unglücklich machen.

weihnachten bin ich zuhaus

Weihnachten ist das Fest, an dem wir nicht nur gerne dazu neigen, uns dem Konsumwahn hinzugeben. Wir beginnen auch, uns auf unsere innersten Wünsche und Sehnsüchte zu besinnen. Wir umgeben uns mit den Menschen, die uns am nächsten stehen. Weihnachten bedeutet auch das Ende eines jeden Jahres. Es erinnert uns daran, dass wir älter werden, unaufhaltsam, kontinuierlich. Vielleicht versuchen wir mit dem Erwerb von Gegenständen, unseren Hunger nach dem zu befriedigen, was das Leben uns nicht bieten kann: Zufriedenheit, Glück, Beständigkeit.

Trotz der Tatsache, dass ich keine christlichen Glaubenszüge in mir trage, kann ich mir einer gewissen Ehrfurcht nicht erwehren, wenn ich Kirchen betrete. Weihnachten ist für mich das Fest meiner Familie. Wir schenken uns keine materiellen Dinge mehr, das haben wir schon lange aufgehört. Dafür verbringen wir so viel Zeit wie möglich miteinander.

Als Kinder gingen wir Heiligabend nachmittags zuerst in den Familiengottesdienst, danach war Bescherung bei Oma und Opa nebenan. Wenn dann der Anruf meiner Mutter kam, das Christkind sei gekommen, durften wir zurück nach Hause. Der Christbaum stand in der Ecke, die (echten) Kerzen brannten und wir durften unsere Geschenke öffnen. Aus dem Radio spielte ein Sender Weihnachtslieder und wir mussten nicht so früh ins Bett wie gewöhnlich. Es war etwas Besonderes und genauso erinnern wir uns daran, an diese Festlichkeit und den Frieden.

In den vergangenen Jahren, seitdem das großelterliche Haus leersteht, treffen wir uns bei meiner Tante und Onkel, ebenfalls nebenan. Wir trinken Punsch und Glühwein und lassen uns die vielen verschiedenen „Guatele“ (wie man bei uns im Allgäu zu Weihnachtsgebäck sagt) schmecken. Der Kreis ist klein geworden, die Jungen sind in die Welt hinaus gezogen und die Alten haben diese Erde und meine Welt verlassen. Die Familie stand immer an erster Stelle, seit Generationen schon und wir haben hart daran gearbeitet, dass Blut immer dicker ist als Wasser.

Weihnachten, Weihnachten bin ich Zuhaus’, wenn auch nur im Traum. Weihnachten steh’ ich bei Mutter Zuhaus’, unter dem Tannenbaum. Ich hör’ die Glocken der Heimat, seh zwei Menschen, die mir ihre Liebe geschenkt. Sie sind leider nicht hier, doch die Tränen von mir sagen heute: Habt dank dafür.

Auszug aus dem Weihnachtslied: „Weihnachten bin ich Zuhaus“

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