• Autrice Regan Holdridge

Was es bedeutet, Alltagsradler zu sein - 365 Tage unterwegs mit dem Fahrrad

Aktualisiert: 5. Okt 2020

Immer wieder treffe ich auf Menschen, die entsetzt oder fassungslos reagieren, wenn sie erfahren, dass ich fast 365 Tage im Jahr mit dem Fahrrad unterwegs bin. Der Begriff „Alltagsradler“ ist nicht jedem bekannt und sie können sich auch gar nicht vorstellen, dass so etwas tatsächlich funktioniert.

„Was?! Du radelst jeden Tag zehn Kilometer zur Arbeit?!“

Ähm, ja und auch dieselbe Strecke wieder nach Hause.

„Wie – du warst heute beim Pferd? Aber es schneit!“

Umso besser, wenn man Allwetterreifen auf dem Rad hat!

„Und wie klappt das mit den Einkäufen?“

Vorn und hinten ein großer Korb machen’s möglich und für größere und schwerere Transporte wurde ja schon vor längerer Zeit der Anhänger fürs Rad erfunden...

So oder ähnlich laufen viele Gespräche und Chats auf Social Media ab. Es ist im Grunde ganz einfach: Wo ein Wille, da ein Weg und wer wie ich auf Auto und Führerschein verzichten muss, der kann sich zwischen zwei Dingen entscheiden: Jammern und irgendwo einen Schuldigen suchen oder aus der Not eine Tugend machen. Wer einen wilden Geist und einen starken Willen hat, der wird sich für das zweitere entscheiden.

Das größte Hindernis an diesem Lebensstil sei gleich zu Anfang klar definiert: Der innere Schweinehund. Es wäre eine glatte Lüge zu behaupten, dass man sich bei Regen, Schneegestöber und Minustemperaturen immer mit Begeisterung auf sein Rad schwingt. Manchmal sehne ich mich nach einem fahrbaren Untersatz, der ein Dach, eine Heizung und ein Gaspedal besitzt, mit dem ich ohne Anstrengung überall hinkomme und wenn es bloß eine kleine Piaggio Ape wäre...

Es gibt wenige Ausnahmen, wenn das Wetter es wirklich gar nicht zulässt, dass ich auf öffentliche Verkehrsmittel und Mitfahrgelegenheiten zurückgreife. Die Busverbindungen hier auf dem Land sind schlecht und abends, nach Feierabend komme ich damit gar nicht mehr nach Hause, sondern brauche jemanden der mich entweder mitnimmt oder abholen kann.

Während andere ihr Auto hegen und pflegen, kommt diese Aufmerksamkeit meinen beiden Fahrrädern zugute. Ich besitze zwei, aus dem einfachen Grund, weil auch ich mal ein bisschen bequemer von A nach B kommen will. Deshalb habe ich mir vor ein paar Jahren gebraucht ein E-Bike gegönnt. Nichts Besonderes, keins von der neuen Sorte mit spitzen Akkuleistung, aber für meinen Gebrauch ausreichend. Es muss kein super teures Stück sein, das dann den ganzen Tag am Personaleingang mitten in der Innenstadt parkt und womöglich dazu einlädt, geklaut zu werden.

Gerade bei den vielen stürmischen Tagen, die es mittlerweile gibt, ist das mit dem zustätzlichen Anschub schon eine feine Sache. Auch, wenn ich vollgepackt mit Einkäufen die zehn Kilometer Heimweg antrete, ist das definitiv die angenehmere Lösung, denn machen wir uns nichts vor: Mit dem E-Bike ist plötzlich jeder ein Sportler, der mit einem normalen Rad ansonsten nicht mal um den Häuserblock käme...

Alltagsradler jeden Tag mit dem Fahrrad fahren

Der zweite Drahtesel ist eine Mischung aus Trekking- und Cityrad. Da es von der Stange keins gab, das den Ansprüchen gerecht wurde, die es für den beinahe täglichen Einsatz bei mir haben muss, habe ich es mir aus Einzelteilen selbst zusammengesucht und im Fahrradgeschäft montieren lassen. Das war preislich nicht viel teurer als das gehobenere Rad von der Stange, dafür aber genau auf meine Bedürfnisse zugeschnitten: 30 Gänge, Allwetterreifen, tiefer Einstieg, hoher Lenker für eine aufrechte Sitzposition und natürlich als kleines Detail am Rande meine Wunschfarbe.

Im Winter und bei schlechtem Wetter bevorzuge ich auf das Trekkingrad. Es liegt einfach sicherer auf der Straße, wiegt wesentlich weniger und ist deshalb auch viel besser manövrierbar. Von Frühjahr bis Herbst greife ich für die Wege zur Arbeit allerdings viel auf das E-Bike zurück. Ich arbeite im Einzelhandel, bin dort den ganzen Tag auf den Beinen und deshalb abends auch oft nicht mehr fit genug, den langen Heimweg, der konstant bergauf führt, mit dem normalen Rad zu strampeln. Die Anstrengung macht sich durchaus bemerkbar, selbst wenn man geübt ist und jeden Tag fährt.

Wer stadtnah oder direkt dort wohnt, tut sich natürlich leichter als jemand wie ich, der knackige zehn Kilometer einfache Strecke aufs Tacho fährt, wenn der Arbeitgeber ruft. Dazu kommen bei mir noch vier Kilometer zum Pferd in den Stall und zurück, ebenfalls so gut wie täglich. Das bedeutet, bei durchschnittlich vier Arbeitstagen bringe ich es auf etwa 120 Kilometer Radelstrecke pro Woche.

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