• Autrice Regan Holdridge

Vegan gegen Fleischeslust. Ist es diese Tierqual wirklich wert, dass wir noch Fleisch konsumieren?

Aktualisiert: 5. Okt 2020

Die Diskussionen darüber sind mittlerweile ja schon fast alltäglich: Veganer gegen Fleischesser und anders herum. Jede Seite bemüht sich redlich um sachliche Argumente: „So ein Veganer kann nicht diskutieren, dem fehlt die Kraft ohne Fleisch!“

Egal, ob jemand Fleisch isst oder nicht: Man darf trotzdem nicht die Augen verschließen vor unserer üblichen Masttierhaltung, die in keinster Weise tolerierbar ist mit irgendwelchen ethischen Maßstäben oder Vorstellungen. Weder zieht bei mir das Argument „Ansonsten können Wenigverdiener sich kein Fleisch leisten“, noch „Da gehen sonst Arbeitsplätze und Steuern verloren“.

Ich selbst bin seit über zwei Jahrzehnten Vegetarierin – nicht Veganerin. Ich esse Milchprodukte aus kontrollierter Biohaltung und Eier von nebenan, von den glücklichen Hühnern meines Onkels, die jeden Tag hinaus an die frische Luft ihres großzügigen Auslaufs dürfen.

Tiere sind Lebewesen mit einer Seele und Emotionen, genau wie wir. Punkt. Es gibt inzwischen genügend wissenschaftliche Studien dazu. Wer sich näher damit beschäftigen möchte: Onkel Google macht’s möglich.

Tiere empfinden Todesangst und Stress und diese verachtende, respektlose Art und Weise, wie sie in unseren Ställen, in einem der fortschrittlichsten Industrieländer der Welt, geschunden und misshandelt und am Ende ihres kurzen Lebens noch getötet werden, ist nicht mit irgendwelchen schizophrenen Essensvorstellungen vereinbar. Ende. Wer etwas anderes behauptet, ist entweder von der Fleischlobby gekauft oder zu feige, den Tatsachen ins Auge zu blicken...oder hat kein Rückgrat, sich mit Fakten zu beschäftigen, die seine Komfortzone ins Wanken bringen könnten.

Landwirtschaft früher Ackerpferde Bauernhofmuseum

Mir fehlt jegliches Verständnis dafür, Billigfleisch vom Discounter zu holen und damit genau das zu unterstützen, was ich jeden Tag anzuprangern habe an unserer übersättigten Gesellschaft, in der laut RKI 67% der Männer und 53% der Frauen inzwischen in Deutschland übergewichtig sind... Und dann wird gejammert, dass kein Geld für qualitativ hochwertige Lebensmittel da sei? Klar, auch Verfettung muss man sich erst einmal leisten können...die kommt auch nicht von irgendwelchen Ausreden á la „Medikamente“, „Krankheit“ oder „Ich esse fast nichts“. Sie kommt zu 99% von falscher Ernährung, Faulheit und Disziplinlosigkeit.

Genauso packt mich jedesmal die Wut, wenn irgendwelche Leute behaupten, sie könnten ohne ihre tägliche Fleischmahlzeit nicht überleben. Selten so ein völlig haltloses und schwachsinniges Argument für den Konsum von Billigfleisch gehört, das von multiresistenten Keimen zersetzt und mit erhöhten Antibiotikawerten Punkte sammeln kann (siehe Tests der vergangenen Jahre, nachzulesen im Internet). Wer so einen „Dreck“ konsumieren möchte und sich dann wundert, dass er krank wird – bitte.

Bis vor etwa vier Jahrzehnten war Fleischkonsum noch ein Luxus. Wer es mal wieder nicht glaubt: Es gibt dazu ebenfalls sehr gut recherchierte Artikel. Wieder einmal ist derjenige im Vorteil, der heutzutage die Suchmaschine anzuwerfen beherrscht, bevor er haltlose Diskussionen vom Stapel trampelt.

Auch ich kenne es von meinen Großeltern und meiner Kindheit her nicht, dass täglich Fleisch auf dem Tisch stand. Und ja, ich stamme noch aus Familien, in denen Hausschlachtungen auf dem Programm standen. Mir erscheint das Bild noch deutlich vor Augen, wenn wir Kinder weggeschickt wurden, weil es den Enten und Truthähnen an die Krägen ging. Dieses Fleisch kam dann in den Gefrierschrank und wurde über Monate als Sonntagsessen aufgebraucht. Fleischlose Mahlzeiten waren selbstverständlich und ich kann mich nicht erinnern, dass mein Großvater sich bei den freitäglichen Kässpatzen einmal beschwert hätte, warum kein Fleisch auf dem Tisch stand oder dass er jetzt aus Kraftlosigkeit nicht mehr in den Garten oder in sein Bienenhaus gehen könne...

Auch Geringverdiener können sich qualitativ hochwertiges Fleisch leisten – dann muss eben mal der ungesunde, überteuerte Schokoriegel liegenbleiben, der das dreifache kostet als gutes Fleisch. Aber das will man dann eben auch nicht. Dann jault man lieber wieder in die Tröte: „Gutes Fleisch von glücklichen Tieren kann ich mir nicht leisten, denn dann müsste ich ja auf was anderes verzichten!“

Selbiges gilt für die Milchpreise. Lieber stopft der deutsche Durchschnittsbürger Fertigfraß und teure Süßigkeiten in sich hinein und erhöht die Prozentzahl der adipösen Anteile in der Statistik. Nur mal am Rande bemerkt, für all diejenigen, die in der Schule mal wieder nicht aufgepasst haben: Es gibt Lebensmittel und es gibt Genussmittel. Beides hat für unseren Körper nicht denselben Stellenwert, nur mal als Tipp für alle, die immer jammern: „Ich weiß auch nicht, warum ich dick bin!“

Mein Verständnis fürs Wegschauen und Unterstützen von tierschutzwidrigen Fleischproduktionsanstalten ist quasi nicht existent. Wer sich feige abwendet und stattdessen weiter sein Billigfleisch konsumieren möchte, bitte. Der sollte aber nicht erwarten, dass er in meinem Leben eine Rolle spielen wird und wenn, dann ist sie maximal mit Verachtung gleichzusetzen. Was das betrifft, bin ich rigoros. Ich möchte mich nicht mit Menschen umgeben, deren Verantwortungsbewusstsein so niedrig angesetzt, deren Empathie unterhalb ihrer Genusssucht angesiedelt ist, dass sie Tierquälerei im Namen ihrer eigenen Völlerei unterstützen.

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