• Autrice Regan Holdridge

Tiere und Arbeit - alles unter einen Hut bringen

Wer arbeiten geht und gleichzeitig Haustiere halten möchte, der steht sehr häufig vor der Gewissensfrage: Kann ich dem überhaupt gerecht werden? Aus meiner Erfahrung gibt es darauf nur eine Antwort: Ein ganz klares „Nein“.

Katzen und Kleintiere, wie Kaninchen oder Meerschweinchen, mögen da noch pflegeleichter sein. Katzen können Katzenklappen bekommen oder Katzenkumpel, wenn sie in der Wohnung gehalten werden müssen. Dasselbe gilt für Kaninchen und Meerschweinchen. Sich jedoch einen Hund bei einer Vollzeitstelle anzuschaffen, ohne jemanden, der sich während der Abwesenheit um ihn kümmern kann – nahezu unmöglich. In einer Partnerschaft oder Ehe, wenn einer von beiden weniger arbeitet oder ganz Zuhause bleibt, ist das vertretbar. Aber ein Hund ist keine Katze. Ein Hund möchte Familienanschluss, sein Rudel sind wir Menschen und den ganzen Tag alleine zu sein ist für ihn keine Option. Auch mit dem schönsten Garten, der ausbruchsicher umzäunt ist und in den er selbstständig immer hinaus und hinein kann, ist für einen Hund das lange Alleinsein kein erstrebenswerter Zustand.

Ich selbst gehe deshalb seit Jahren nur Teilzeit arbeiten. Es geht nicht anders, mit Hund und Pferd und als Alltagsradler. In dieser Kombination, mit dem wesentlich höheren Zeitaufwand, den man nun einmal mit dem Fahrrad benötigt, ist es nicht machbar, seinen Tieren auch nur annähernd gerecht zu werden und dann noch den ganzen Tag zu arbeiten. Man muss dann einfach Abstriche finanzieller Natur machen und Prioritäten setzen: Erst kommen meine Tiere, für die ich die Verantwortung einmal übernommen habe und die bei mir bleiben, bis zum letzten Tag. Dass ich mir nach meinem Collie erstmal keinen Hund mehr anschaffen möchte, das ist auf einem anderen Papier geschrieben.

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Wesentlich einfacher ist es da mit dem Pferd: Das steht in einem Pensionsstall und ist vom Typ Lebewesen her wesentlich freier gepolt als der Hund. Das Pferd braucht den Menschen im Grunde nur als Versorger, Futterbringer und Mister. Die Bespaßung durch das Reiten ist eher Bedürfnis des Menschen, als dass ein Pferd solcherart Beschäftigung zum Überleben benötigen würde. Im Gegensatz zum Hund, dessen Welt sich in erster Linie um seine Familie dreht, stehen beim Pferd ganz andere Dinge an erster Stelle: Die Herde, sprich, Sozialkontakte, die Koppel und damit der Auslauf, sowie sein Futter.

Ob wir als Besitzer dann mal mehr, mal weniger Zeit haben, uns mit dem Hobby Reiten oder anderweitigen Beschäftigungsmöglichkeiten befassen, ist dem Pferd relativ schnuppe. Ich weiß, ich weiß – ganz viele Pferdebesitzer werden jetzt aufschreien und behaupten, ihr Pferd würde sich freuen, wenn man käme und sich mit ihm befasst. Das mag durchaus sein, das tut meiner auch und wiehert mir entgegen, aber vor allem deshalb, weil er weiß, dass es nur von mir sein Kraftfutter gibt und nicht vom Stallbetreiber. Pferde sind ja schließlich nicht dumm.

Mit Hund und Pferd artet es selbst mit einer Teilzeitstelle bisweilen in Stress aus. Ich habe bei meinem Job im Einzelhandel keine festen Arbeitszeiten, mal bin ich nur den halben Tag eingeteilt, dann wieder den ganzen und regelmäßig muss ich wegen Krankheitsausfällen zusätzlich kommen. Wenn ich Frühschicht arbeite, heißt es, um 6.30 Uhr einstempeln. Dann geht mein Wecker um 3.45 Uhr. Bis ich mich aus dem Bett gequält, Kaffee aufgesetzt habe und angezogen bin, vergeht eine halbe Stunde. Dann muss ich raus, in die Dunkelheit und laufen. Der Hund kann nicht warten, bis ich mittags oder nachmittags irgendwann wieder Zuhause bin und spätestens um 5.45 Uhr muss ich dann auch losradeln. Dass ich nach einem solchen Tag nicht mehr viel wissen will, dürfte klar sein. Nach Dienstschluss trete ich die zehn Kilometer wieder in die Pedale, um erstmal erneut mit dem Hund zu laufen. Dann geht’s die vier Kilometer in den Stall und wenn ich noch fit genug bin, wird noch geritten, wenn nicht, nur ein bisschen geputzt und geschmust.

In der Spätschicht läuft es dann genau anders herum: Da stehe ich früh auf, um zuerst mit dem Hund zu laufen und vor der Arbeit noch in den Stall zu radeln. Würde ich Vollzeit arbeiten, wäre ich innerhalb weniger Wochen körperlich an der Belastungsgrenze angelangt, denn ich sitze ja nicht im Büro. Meine Arbeit erfordert ständiges Stehen und Gehen und erlaubt selten eine Verschnaufpause. Selbst mit der Teilzeitstelle fühle ich mich bisweilen mehr als gefordert. Wahrscheinlich wäre es nicht ganz so mühsam, hätte ich einen Führerschein und ein Auto, denn das würde mir die zusätzliche Belastung durch die Radelei ersparen. Da ich aber keine Wahl habe, bleibt mir nur wieder, das Beste aus der Situation zu machen – wie so häufig schon.

Würde man mich vor die Wahl stellen, ob ich mir eher wieder ein Pferd oder einen Hund anschaffte, dann kann ich dazu im Moment keine klare Aussage machen. Wahrscheinlich würde ich mir derzeit gar nichts mehr an Tieren holen. In Urlaub fahren ist mit einem Pferd zwar noch eher möglich als mit einem Hund. Das Pferd kostet allerdings so viel, dass für die Urlaubskasse praktisch nichts übrigbleibt, schon gar nicht mit einer Teilzeitstelle. Aber auch hier heißt es, sich zu entscheiden: Lebensqualität und Zeit versus Geld und nach meiner Krebsdiagnose muss mich niemand mehr danach fragen, was für mich wichtiger ist... Vermutlich würde ich erstmal alle möglichen Länder bereisen, um dann letzten Endes doch wieder bei meiner ersten, großen Liebe zu landen: Dem Pferd.

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