• Autrice Regan Holdridge

Reitsport - muss das sein? Das Pferd dient nicht dazu, falsch verstandenes Ego zu befriedigen

Aktualisiert: 5. Okt 2020

Pferde – meine große Leidenschaft, solange ich mich zurückerinnern kann. Als ich volljährig wurde, hatte ich allerdings schon genug vom „Reitsport“ (ich verabscheue dieses Wort) und war kurz davor, meinen damaligen Isländer auf die Koppel zu stellen und ihm einen schönen Lebensabend zu wünschen. Ich hatte die Nase voll vom Zerren am Zügel, vom Schlagen mit Gerten, vom Geschrei der Reitlehrer und nassgeschwitzten, pumpenden Pferden, die mit ihren zugeschnürten Nüstern kaum noch Luft bekamen.

Einstmals begann ich zu reiten, weil ich Pferde liebe und die Fernsehserie „Fury“ hatte im zarten Alter von vier Jahren meine Vorstellung davon geprägt: Der Junge steigt ohne Sattel und Zaumzeug auf den Hengst und reitet davon. Das, was ich in den Reitschulen und Reitvereinen hierzulande erlebte, war jedoch graue Ernüchterung und die Pferdemessen und Veranstaltungen taten ihr Übriges dazu, dass ich mich immer mehr von der Reiterszene abgestoßen fühlte. Diese Leute wollten Pferdeliebhaber sein?! Wenn sie ihren bemitleidenswerten Gäulen die Sporen in die Seite rammten und mit voller Kraft ihrer Bizeps in die Kandaren griffen?! Und dafür gab’s und gibt’s dann noch Höchstnoten von Richtern, die offenbar entweder blind oder gekauft sind???

Nein, das war und ist bis heute nicht meine Welt. Mir tun und taten einfach nur die Pferde leid und ich beschloss damals, bevor ich einer solchen Szene von Tierquälern angehörte, würde ich das Reiten lieber aufgeben. Davon unberührt blieb meine Liebe zu diesen wundervollen, feinfühligen Tieren, aber ich wollte definitiv nicht einen Tag länger Reitvereinigungen unterstützen, die nichts, aber rein gar nichts dagegen unternahmen (und bis heute auch nicht tun), dieser Rüpelreiterei ein Ende zu setzen. Schärfere Gesetze? Richter, die rigoros ahnden und disqualifieren? Fehlanzeige. Das ist bis heute nicht erwünscht und die wenigen Richter, die es wagen zu kritisieren und ehrliche Noten zu vergeben, verschwinden schnell wieder von der Bildfläche.

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Dafür bricht die „deutsche Dressurkönigin“ den fragwürdigen Rekord eines anderen Strampelkönigs namens Totilas, dessen Leistung nur dadurch erzielt wurde, dass er schön über Rollkur zusammengezogen und mit verspannten Muskeln und viel Kraft durchs Dressurviereck geschoben wurde. Der bedauernswerte Anblick eines Pferdes, das als Jungpferd, vor seiner zweifelhaften Karriere, als „mittelmäßig“ eingestuft wurde. Mittelmäßig in Bezug auf seine Gangqualität und dann bricht dieser Hengst plötzlich Rekorde? Von überragenden Nachkommen hört man bislang nichts und inzwischen ist der Wunderhengst in Rente, weil sich die nicht pferdegerechten Trainingsmethoden auf seine Gesundheit ausgewirkt haben. Wundert jemanden? Nö, braucht es nicht, ist Standard bei Pferden, die auf dieses Niveau gedrillt werden mit Methoden, die längst dafür berüchtigt sind, ie die Gesundheit der Tiere in arge Mitleidenschaft zu ziehen. Interessiert aber niemanden, wenn Summen im sechsstelligen Bereich erritten und Pferde im siebenstelligen Bereich verschachert werden können...

Mich packt jedesmal ein unbändiger Zorn, wenn ich so etwas mitansehen muss. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die Schleifen brauchen, um ihr Ego zu stärken. Mir macht es Spaß, ein Pferd fein und fair zu trainieren und nicht, es mit aller Gewalt und Rücksichtslosigkeit in irgendeinen Rahmen zu pressen, damit ich – der „Ach-so-tolle-Reiter“ – mein Konkurrenzbedürfnis ausleben kann. Anscheinend ist es aber bei ganz vielen Reitern so, dass ihnen eine gehörige Portion an Selbstwertgefühl fehlt. Dieses scheinen sie nur dann erreichen zu können, wenn sie es über ihr Pferd definieren und das muss dann herhalten für irgendwelche nicht ausgelebten Bedürfnisse des Menschen.

Natürlich gibt es gerade unter den Freizeitreitern genügend, die sich anderen Konzepten zuwenden, aber sie werden häufig immer noch belächelt, denn man kann ja keine Schleifchen und Pokale vorweisen. Das sind dann alles „Tüddeltanten“, „Stöckchenwedler“ und „Leute, die so tun, als könnten sie reiten“. Musste ich mir auch mal von einer sagen lassen, die bei einer Olympiadame hinter verschlossenen Türen in der Lehre war und meinem Hengst das Maul vorne so fest zuschnürte, dass er keine Luft mehr bekam. Auf meine Kritik hin, dass dies in meiner Gegenwart so nicht stattfindet, erzählte sie jedem, ich könnte nicht reiten. Dasselbe möchte ich zurückgeben, denn wer mit der Gerte auf so ein sensibles Pferd eindrischt, wie mein damaliger Hengst es war, für den ist nur ein anderer Ausdruck der richtige, den ich hier lieber nicht tippen möchte... Immerhin, das muss man ihr lassen, hat sie soviel gelernt, dass man Pferde komplett nass reitet und danach ohne Abschwitzdecke bei Minustemperaturen in die Paddockbox stellt. Das beweist dann auch, welchen Stellenwert ein solches Tier im Leben dieser Dame hat...

Ich mag mit solch verrohten Personen nichts mehr zu tun haben und doch findet man sie bedauerlicherweise häufig unter Reitern. Heute lege ich mich mit solchen Leuten an und mache mich eben unbeliebt. Mir egal, ich muss von diesem sogenannten Pferdesport nicht mehr leben – will ich auch nie wieder. Ich ertrage diese Klugscheißerei, Lästerei und das Ausbeuten der Pferde in Kombination mit Dummheit und nicht vorhandenem Wissen nicht mehr. Ich meide inzwischen Messen und fast alle Veranstaltungen, die sich ums Thema Pferd drehen. Ich muss mich jedesmal beherrschen, um nicht ständig mit irgendjemanden in Streit zu geraten und ich spreche Dinge, ob schön oder unschön auch sehr direkt an. Mögen viele Reiter gar nicht und machen deshalb auch inzwischen zum Teil einen großen Bogen um mich. Von mir aus, gerne, ich habe weder ein Problem zu diskutieren, noch mich zu zoffen. Im Gegenteil, wenn es zum Wohl des Pferdes ist und wenn damit nur einem Pferd geholfen ist, tue ich es sogar mit Leidenschaft. Ich brauche auf keiner Schleimspur daherzuschlittern – ich hole lieber den Hammer raus und klopfe ordentlich drauf. Damit geht man abends befriedigter ins Bett.

Für die Reiter, die ihre Pferde noch wirklich lieben und achten, lange Jahre mit ihnen Spaß haben und sie beim Reiten gesunderhalten und nicht kaputtmachen wollen, für die ist es endlich an der Zeit, dass sich die komplette Szene ändert. Dass endlich von den entsprechenden Vereinigungen das Stoppschild hochgehalten wird und durch Sporentritte verursachte Bauchwunden und blutende Pferdemäuler rigoros zu lebenslangen Sperren der Reiter führen. Dass Richter sich trauen, auch große Namen zu disqualifizieren, wenn sie mit bis an den Anschlag angezogenen Kandarenzügeln (siehe mehrere Ritte der aktuellen „Dressurkönigin“) ihre Armmuskulatur trainieren und das Hauptaugenmerk der Ausbildung junger Reiter wieder auf Respekt gegenüber einer Kreatur aufbaut, der wir Menschen all unseren Fortschritt zu verdanken haben. Das Pferd dient nicht zur Befriedigung unseres persönlichen Ehrgeizes und es kann auch nicht sein, dass völlig unsportliche, ihren Körper nicht unter Kontrolle habenden Reiter von sich selbst nichts und von ihren Pferden alles abverlangen.

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