• Autrice Regan Holdridge

Radeln im Winter

Der Winter stellt für uns Alltagsradler die größte Herausforderung dar. Nicht nur, da wir hier in Süddeutschland immer mit jeder Menge Schnee rechnen müssen, sondern auch mit ordentlichen Minusgraden.

In manchen Jahren haben wir Glück und die weiße Pracht bleibt uns erspart (von mir aus bräuchte es sie überhaupt nicht). Dann bleiben als Herausforderung nur vereiste Abschnitte und Kälte. Aktuell hat sich die Schneedecke allerdings dank der niedrigen Temperaturen festgesetzt und ein eisiger Ostwind pfeift um die Hausecken.

Bei solchen Bedingungen heißt es, noch besser ausgerüstet zu sein, als während der anderen Jahreszeiten. Für die Hände habe ich direkt am Lenker Stulpen, die innen gefüttert sind und dort fest angebracht werden können. Handschuhe allein reichen mir ab dem Gefrierpunkt nicht mehr. Durch die vielen Jahre mit dem Rad habe ich mir in der Vergangenheit einige male die Hände halb erfroren, als ich „nur“ mit beheizbaren Handschuhen gefahren bin. Infolgedessen hat sich bei mir das sogenannte „Raynaud Syndrom“ entwickelt, was besonders unangenehm wird, wenn die Hände richtig kalt werden.

Die Stulpen nehmen den Fahrtwind weg von den Fingern und dienen zusätzlich als Wärmepolster zwischen den Handschuhen. Wer das ganze Jahr über radeln will, sollte sich definitiv überlegen, in solche zu investieren.

radeln im winter fahrradfahren

Das andere Körperteil, das bei zu kalten Temperaturen in Mitleidenschaft gezogen wird, ist das Gesicht. Bei Kälte ohne Maske radeln, führt meistens zu Erfrierungen der ohnehin sehr empfindlichen Gesichtshaut. Derartige Schutzmasken gibt es auch für den Skisport oder wem so etwas überhaupt nicht taugt, der kann sich auch einen dicht gestrickten Schal umbinden. Er darf aber keine großen Maschen aufweisen, weil sonst der Fahrtwind viel zu schnell durchzieht.

Meine neueste und mit Abstand beste Anschaffung der letzten Jahre sind beheizbare Sohlen. Ich habe mich für solche ohne externe Akkus entschieden, weil man die erst störend an der Wade befestigen muss. Die Akkus sind direkt in die Sohle integriert. Dadurch sind sie zwar ein wenig dicker, passen aber trotzdem in fast jeden Winterschuh und ich habe feststellen dürfen, dass es einem auch am restlichen Körper nicht annähernd so kalt wird, wenn die Füße angenehm warm bleiben.

Über die Beine ziehe ich bei richtig fiesen Minusgraden eine Snowboardhose. Die ist so weit geschnitten und mit dem Reißverschluss am Beinende so weit zu öffnen, dass sie sich bequem über einer Jeans tragen lässt.

Das Rad muss natürlich ebenfalls entsprechend für den Winter präpariert werden. Wer noch nie etwas davon gehört hat, es gibt einen jährlichen Kundenservice in jeder Fahrradwerkstatt und ich kann das nur jedem empfehlen, der nicht selber als Schrauberling genug Ahnung von Fahrrädern hat.

Kleinigkeiten, wie die Kette regelmäßig zu ölen, gehören selbstredend dazu, wie beim Auto die Kühlflüssigkeit nachzufüllen. Je extremer die äußeren Wetterbedingungen, desto mehr spült es bei Regen oder Schnee die Schmiere ab. Teilweise ist die Kette bei mir innerhalb von drei bis vier Tagen „blank geputzt“.

Was in meiner Garage auch immer parat liegt, ist ein altes Handtuch, mit dem ich direkt nach der Fahrt entsprechende Verschmutzungen vom Rad abwische. So kann sich insbesondere das Streusalz nicht so leicht durch den Lack fressen.

Worauf ich nicht zurückgreife, sind Spikereifen. Die Schwalbe GT365, mit denen ich ganzjährig fahre, reichen die von der Griffigkeit her völlig aus. Ich bin damit sowohl auf leicht vereisten Straßen, als auch bei Schneematsch unterwegs. Ob mit oder oder Spikereifen, muss ich im Winter meinen Fahrstil ohnehin entsprechend anpassen, genau wie ein Autofahrer. Kurven können mal ganz schnell zur Rutschpartie werden oder unvorhergesehen tun sich plötzlich Eisflächen vor einem auf. Deshalb rechne ich im Winter für meine Strecken etwa die doppelte Zeit ein, je nachdem, wie die Straßenverhältnisse sind.

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Erst vorgestern bin ich bei frischem Schnee und kaum geräumten Straßen zum Pferd geradelt. Für die Strecke von nicht ganz 5 Kilometern habe ich unter diesen Bedingungen 30 Minuten benötigt und musste auch stellenweise schieben, weil es so glatt war, dass weiterradeln zu gefährlich geworden wäre.

Es kam auch schon vor, dass ich im Schneesturm absteigen und eine ganz Weile schlicht warten musste, weil man die Hand vor Augen nicht mehr sehen konnte. Ist zwar nicht unbedingt angenehm, aber ich betrachte es immer wieder als Abenteuer und mit der richtigen Ausrüstung, kann man solche Launen der Natur auch recht entspannt über sich ergehen lassen.

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