• Autrice Regan Holdridge

No-Poo oder alternative Haarpflege - Chemie versus Öko

Aktualisiert: 5. Okt 2020

Eine Haarpflege völlig ohne Shampoos und künstliche Pflegeprodukte? Für jemanden wie mich, die seit Jahren sehr bewusst und natürlich lebt, war diese Idee ein Versuch wert, sie auszuprobieren. Ich benutze ohnehin schon seit Ewigkeiten nur noch Haarseifen aus biologischer Herstellung.

Aufgrund meiner Seborrhoe, mit der ich seit meinem 12. Lebensjahr zu kämpfen habe, muss ich ohnehin aufpassen, was ich mir in die Haare schmiere. Normale Shampoos funktionieren nicht – entweder trocknen sie meine Kopfhaut aus oder sie führen dazu, dass meine Seborrhoe geradezu anfängt zu blühen.

Jahrelang habe ich meine Haare außerdem beim Friseur dunkel tönen lassen – mit den Produkten eines der üblichen Hersteller, die Friseure eben so verwenden. Die Folge davon war, dass mein Haar immer dünner wurde, bis zu dem Punkt, an dem ich nur noch halb soviel auf dem Kopf hatte wie zuvor.

Warum also nicht einmal „No Poo“ probieren? Theoretisch klingt das, was man auf YouTube und den einschlägigen Quellen im Netz so finden kann, ganz logisch und nachvollziehbar. Zuerst habe ich es über drei Wochen auch tatsächlich geschafft, meine Haare nur mit Wasser zu waschen und war verblüfft über den Effekt: Keine abstehenden Härchen am Ansatz mehr, keine Notwendigkeit, überhaupt Haarspray zu verwenden! Mein Haar glänzte und die natürliche Fettschicht, die bei mir praktisch nicht mehr vorhanden war, verteilte sich allmählich bis in die Spitzen. Allerdings stellte ich fest, dass meine Kopfhaut nach dieser Zeit sehr zu jucken begann und auch meine Seborrhoe nicht ganz so glücklich über diese Vorgehensweise war.

Eine Spülung mit Apfelessig, wie von einigen Vertreterinnen der „No-Poo“-Bewegung vorgeschlagen, brachte erstmal Besserung. Ich ließ diesen jedoch nicht im Haar, wie eigentlich angedacht, weil der Geruch doch sehr gewöhnungsbedürftig ist. Der Essig hilft deutlich, das Fett aus den Haaren zu spülen, bis zu dem Grad, was das Haar benötigt und reinigt auch die Kopfhaut schonend. Gerade, was meine Seborrhoe anbetrifft, bin ich überrascht gewesen, wie positiv der Effekt von so einem einfachen Mittel sein kann.

Erfahrung mit No Poo Haarewaschen ohne Shampoo

Hin und wieder, so etwa alle zwei bis drei Wochen, musste ich meine Haare allerdings weiterhin mit einer Haarseife waschen. Dann half auch der Essig nichts mehr. Nachdem ich von mehreren Herstellern Haarseifen getestet habe, ist schließlich als einziger der deutsche Hersteller „Sauberkunst“ übrig geblieben. Deren Haarseifen funktionieren ähnlich wie ein Shampoo, sind allerdings in der Anwendung wesentlich ergiebiger als der chemische Kram aus dem Drogeriemarkt.

Mittlerweile bin ich zu dem Rhythmus übergegangen: Einmal nur mit Wasser waschen, einmal mit Shampooseife. Auf den Apfelessig verzichte ich mittlerweile wieder komplett, weil ich mit dem unangenehmen Geruch einfach nicht klar gekommen bin.

Noch einen ganz wichtigen Punkt möchte ich hier ansprechen, den offenbar viele nicht bedenken, wenn sie anfangen, auf natürliche(re) Haarpflege umzusteigen: Euer Haar hat Jahre und Jahrzehnte die Gifte und Silikone ertragen, mit denen wir glaubten, es pflegen und schöner machen zu können. Die Haarstruktur wurde dadurch enorm angegriffen und wenn wir unserem Haar nun all diese vielen, künstlichen Produkte plötzlich wegnehmen, mit denen wir die negativen Folgen von Färben, Glätten usw wettzumachen probierten, reagiert es erstmal entsprechend. Entweder, es fettet extrem, weil die Kopfhaut auf einmal wieder Talg produzieren kann und das dann im Überschuss tut oder es trocknet aus, weil genau das unsere Kopfhaut verlernt hat. Mir ging es nicht anders. Es hat auch gar nicht so lange gedauert, bis meine Haare sich regeneriert hatten, ich schätze, es waren etwa drei bis vier Wochen und in weiser Voraussicht habe ich das Experiment in meinem Urlaub gestartet. Da war es egal, wenn ich zwischendurch ein wenig wie Pumuckl aussah...

Mein Fazit nach nunmehr zwei Jahren: Meine Haare sehen nicht nur gesünder aus, sie sind auch wieder erheblich dicker und länger geworden. Auch verliere ich nicht nach jeder Wäsche büschelweise Haare, wie das mit normalen Shampoos der Fall war und brauche auch keine literweise Bändiger mehr, um meine Naturlocken irgendwie zu zähmen.

Das einzige Pflegeprodukt, was ich hin und wieder einmassiere, ist reines Arganöl. Das war’s. Für mich war der Umstieg auf „Weniger ist Mehr“ die beste Entscheidung überhaupt – wie das ja häufig im Leben so ist...

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