• Autrice Regan Holdridge

Morgen heirate ich mein Pferd - warum Singlesein durchaus ein erstrebenswerter Zustand ist

Als Kind hielt ich es noch wie in dem alten Schlager: „Ich will ’nen Cowboy als Mann“, inzwischen sage ich: Das nächste Mal heirate ich höchstens noch mein Pferd!

Einige Reiterinnen werden das vermutlich ganz gut nachvollziehen können und würden eher den Mann vor die Tür setzen, als das Pferd herzugeben, wenn es hart auf hart käme. Bisweilen ist man damit auch wesentlich besser beraten, kann ich aus Erfahrung sagen...

Wenn der Topf nicht zum Deckel passt, kann man noch so sehr versuchen, ihn zu verformen – es wird nie harmonisieren. Nach meiner Ehe habe ich für mich beschlossen, dass kein Mann mehr so weit in mein Leben hinein darf, wie das in der Vergangenheit der Fall war. Jedenfalls nicht ohne ordentliche, vorherige, lang anhaltende Prüfung. Mit einem neuen Partner versucht jeder natürlich, die alten Wunden endgültig verheilen zu lassen, das Misstrauen abzulegen und sich darüber zu freuen, dass das Schicksal einem doch noch einen Menschen geschickt hat, der offenbar nicht zur Sorte „Wäre ich dem nur nie begegnet“ gehört.

Wer so viele Dinge hat, die einem wichtig sind und die außerdem viel Zeit in Anspruch nehmen wie es bei mir der Fall ist, der hat nicht die Energie, jede freie Minute in eine Beziehung zu investieren. Ich möchte das auch gar nicht.

Rückblickend muss ich gestehen, dass ich mir noch nie habe vorstellen können, ein normales, bürgerliches Leben zu führen. Die Aussicht, irgendwann zu heiraten, ein Häuschen zu bauen und Kinder zu bekommen, hatte immer etwas von einem Würgegriff am Hals – jemand nimmt mir die Luft zum Atmen. Freiheit und Unabhängigkeit standen für mich von jeher an erster Stelle. Vielleicht liegt das daran, weil ich eine sehr schöne, glückliche und gleichzeitig sehr freie Kindheit im Rahmen einer harmonischen Heimatfilmfamilie genießen durfte. Es gab zwar klare Regeln, aber der freien Entfaltung waren keine Grenzen gesetzt und nun sollte ich mich, nur weil ich als weibliches Wesen geboren worden war, plötzlich dem Dasein als Hausfrau und Mutter unterordnen?! Eine Horrorvision.

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Aufgrund äußerer Umstände und auch Dummheit meinerseits, habe ich vor etlichen Jahren dann doch den Fehler begangen, mir einen Ring an den Finger stecken zu lassen. Schon am Tag meiner Hochzeit hat mir mein Bauch zugerufen, dass es ein Fehler ist, aber ich habe damals leider nicht auf ihn gehört. Zum Glück blieb ich wenigstens standhaft was die Kinderfrage anbetraf und dass ich keine haben wollte.

Für so eigensinnige Personen wie mich ist es auch gar nicht einfach, einen passenden Deckel zu finden. Ich war nicht unglücklich mit meinem Singledasein, in dem ich tun und lassen konnte, was ich wollte, ohne mir ständig Vorwürfe anhören zu müssen, ich hätte keine Zeit, zu viel anderes im Kopf und würde meine Tiere mehr lieben als meinen Partner. Heutzutage weiß ich es umso mehr zu schätzen, jemanden gefunden zu haben, der versteht, dass ich meinen Freiraum brauche – zum Schreiben, zum Komponieren, zum Singen und Gitarre spielen. Damit hätte ich nie gerechnet und ich habe auch nach niemandem mehr gesucht. Es ist ganz einfach passiert, dass dieser Mann, den ich davor schon zwei Jahre kannte, plötzlich eine ganz andere Rolle in meinem Leben spielte.

Trotz dieser neuen Beziehung habe ich weiterhin mein Pferd, bei dem eine ganz große, fette „Eins“ davorsteht – Priorität in meinem Leben. Das Pferd bleibt mir treu, es freut sich, wenn ich den Stall betrete und ich muss mir nie Sorgen machen, dass er sich hinter meinem Rücken mit anderen Frauen trifft. Er wird mich auch nie zwischen die Wahl zwischen ihm und meinem Partner stellen – weil er sowieso weiß, dass ich mich immer für ihn entscheiden würde.

Das Allerbeste an meiner jetzigen Beziehung ist, dass der Mann dazu das alles völlig entspannt akzeptiert und mir daraus noch nie einen Vorwurf gemacht hat. Er hat auch verstanden, dass die ersten Monate unserer Beziehung von meiner Seite aus nur mit enormer Skepsis angenommen werden konnten und ich sehr lange gebraucht habe, um auch nur im Ansatz Vertrauen ihm gegenüber zuzulassen.

Manchmal schaue ich ihn an, diesen Mann an meiner Seite und kann immer noch nicht glauben, dass das Leben eine solche Persönlichkeit tatsächlich mir über den Weg geschickt hat. Und dann bereue ich es noch mehr, jemals geheiratet und damit den Grundstein zu meiner Meinung gelegt zu haben, niemals wieder heiraten zu wollen. Außer mein Pferd natürlich, der begleitet mich am längsten von allen: Seit 2011 ist er bei mir und hat den Status, den bei anderen Frauen nicht mal ihre Ehemänner bekommen: Mein Prinz.

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