• Autrice Regan Holdridge

Liebe – Illusion, Sehnsucht und am Ende bleibt doch jeder allein zurück

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Liebe...dieses eine Wort, dieses eine Gefühl, nach dem fast jeder von uns sich so sehr sehnt und fast alles dafür tut, um es zu empfinden. Gibt es sie überhaupt, diese wahre, ganz große Liebe? Oder ist sie bloß eine Erfindung aus Filmen und Romanen, genau wie in den meinigen? Nur ein Märchen, das in der Realität gar nicht existiert? Suchen wir in Wahrheit nach etwas, das nur in unserer Fantasie, in unserer Wunschvorstellung vorhanden ist? Laufen wir etwas nach, das am Ende von der Natur nur dazu geschaffen wurde, um unser Überleben zu sichern? Ist es also in Wirklichkeit gar nichts weiter als reine Triebbefriedigung?

Liebe – das mächtigste Gefühl, das größte Motiv, der Grund für so viele unserer Entscheidungen – auch irrationale – und Wendungen im Leben. Wir wollen an sie glauben, an diese eine wahre Liebe und doch, je älter wir werden, desto deutlicher realisieren wir, dass es möglich ist, mehrere große Lieben im Leben zu haben. Wenn wir jung sind, unerfahren und blauäugig, verlieben wir uns anders, intensiver, vollständiger, verzehrender. Aber dann kommen die ersten Verletzungen, Enttäuschungen, Narben und unsere Gefühle fangen an, sich zu verändern. Wir ziehen uns zurück, bauen eine Mauer um unser Herz und es dauert lange, bis wir wieder jemandem erlauben, uns nahezukommen.

Danach öffnen wir fremden Menschen nicht mehr zu weit und zu schnell unser Herz, wir blockieren. Wir haben verstanden, dass jemand anderer nicht das Spiegelbild unserer Seele ist, sondern womöglich das genaue Gegenteil. Wenn wir uns die Zeit nehmen, hinter die Fassaden zu schauen, die manche um ihr wahres Ich drapiert haben, stellen wir häufig fest, dass es gut war, die Zugbrücke der Mauer nicht heruntergelassen zu haben.

Darüber vergehen Jahre und wir richten uns ein mit dem Leben, wie es ist und sind damit recht glücklich und zufrieden. Wir brauchen keinen Partner mehr, der uns zerstört, der nicht unser Bestes will, sondern sich nur an uns zu bereichern versucht. Und dann kommt dieser denkwürdige Tag, an dem es wieder von vorn losgeht, alles wie schon bekannt, dieses Gefühl, wenn wir einem ganz bestimmten Menschen gegenüberstehen. Wir versuchen es zu bekämpfen, davonzulaufen und doch holt es uns immer wieder ein. Die Gedanken kreisen um diese eine Person und obwohl wir es nicht wahrhaben wollen, haben wir bereits damit begonnen, einen Teil unseres Herzens preiszugeben.

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So sehr wir uns auch all die Gründe aufsagen, weshalb es nicht funktionieren kann, so sehr wir auch flehen, dass der andere nicht dasselbe empfinden möge, so sehr wir diesem Menschen auch versuchen aus dem Weg zu gehen...es kommt der eine Augenblick, in dem aus dem Spiel mit dem Feuer eine Flamme wird. Wer viel Schlechtes erlebt hat, der kann diesen Moment nicht mit derselben Freude genießen, wie er es früher getan hätte. Wir lassen nicht mehr so schnell zu, dass einem dieser andere zu viel bedeutet. Wir warten, wir beobachten und wagen es lange nicht, uns einzugestehen, dass es doch Liebe sein könnte. Wir waren nicht schnell genug, vor ihr davonzulaufen. Vielleicht war das auch nie das Ziel, vielleicht war das nur eine Flucht vor uns selbst. Wir haben für nichts eine Garantie, eine Sicherheit. Wir haben nur die Hoffnung, dass es diesmal besser wird.

Als ich diesen Mann kennenlernte, siebzehn Jahre älter als ich, noch mit seiner Frau zusammen, dachte ich mir: Zum Glück ist er verheiratet, damit darfst du gar nicht erst zulassen, dass er dir emotional zu nahe kommt. Darüber sind zwei Jahre vergangen und dann war er plötzlich getrennt und er fing an, mit mir Zeit zu verbringen und ich war wieder so dumm, jemandem mein Herz zu öffnen, von dem ich glaubte, dass er endlich jemand ist, der es ehrlich meint. Was habe ich investiert in ihn, in unsere Beziehung und auch in seine Zukunft, um jetzt, zweieinhalb Jahre später erklärt zu bekommen, dass er sich selbst finden müsse, dass in seiner Zukunft kein Platz für mich sei und seine Gefühle für mich ohnehin nicht ausreichen, um mich dorthin mitzunehmen. Ich scheine eine Neigung zu Männern zu haben, die mich immer nur zu etwas gebrauchen können, mich ausnutzen, aber niemals lieben.

Diesmal ist es schlimmer als all die anderen male davor, denn es gibt nichts Schlimmeres, als erkennen zu müssen, dass man der Liebe seines Lebens begegnet ist und sie doch wieder verloren hat.

Im Moment weiß ich noch nicht, wie ich diesen Verlust überwinden soll. All die Träume, wie ich mit diesem Mann zusammen vielleicht noch einmal von vorn hätte anfangen können, doch noch einmal hinausgehen in die Welt, mit jemandem an meiner Seite, auf den ich mich verlassen kann – vorbei, wieder einmal zerschlagen und mir bleibt nichts, außer dem Wissen, dass ich sie zumindest einmal erleben durfte, diese ganz große Liebe. Am Ende, wenn man alles gegeben und geglaubt hat, die Liebe könne alles heilen und gut machen, bleibt dann doch jeder allein zurück.

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