• Autrice Regan Holdridge

Ein Paradies namens Kindheit

Ich werde mich immer an diesen Duft erinnern. Es ist eine Mischung aus getäfelten Holzwänden und der Nostalgie dieses Raumes – ein bisschen süßlich, nicht zu beschreiben. Aber wenn ich die Augen schließe, erinnere ich mich bis heute daran. Er lag hinter der knarzenden, weißen Tür. Sie hat schon immer geknarzt und sie tut es bis heute. Wie sehnlich wünschte ich, noch einmal diese Türe öffnen zu können, so knarzend wie eh und je, gefolgt von dem wohlvertrauten Duft, der immer in der Stube hing. Denn wenn ich es heute betrachte, so lag hinter dieser Tür das Paradies – es hieß Kindheit.

Am Tisch sitzt der wichtigste Mann, der mich durch meine frühesten Erinnerungen begleitet hat: Groß und kräftig, mit seinen schwarzen Haaren, die bis zum letzten Tag keine graue Strähne zeigten. Meistens mit einem Arm auf dem Tisch gestützt, die andere mit dem Bleistift in der Hand, sie umrahmten die Zeitschrift mit dem Kreuzworträtsel. Seine markante Stimme, die mich begrüßt: „Ja, Mädle!“

Welche Opfer würde ich bringen, um noch einmal diese Stimme hören zu dürfen! Was würde ich dafür geben, mich noch einmal auf seinen Schoß setzen zu können und mich sicher und beschützt zu fühlen, zwischen seinen langen, kräftigen Armen. Ich weiß bis heute, wie er gerochen hat und ich erinnere mich an die Falten und Furchen, die das Leben in sein Gesicht gezeichnet hat. Ich höre sein Lachen und möchte mit einstimmen. Er ist schon lange gegangen, schon vor vielen, vielen Jahren und doch begleitet er mich ständig. Er ist immer irgendwie um mich, mehr, als irgendein anderer Mensch, der meine Kindheit beeinflusst hat. Je größer der Abstand wird zwischen Abschied und Heute, je gescheiter ich selbst werde, je erfahrener und geprägter, desto mehr wird mir bewusst, was ich versäumt habe: Dass ich ihn nicht mehr fragen kann, was mir auf der Seele brennt, dass ich keinen Rat mehr von ihm holen kann, dass ich diese Sicherheit in seiner Nähe nicht mehr fühlen darf. Es ist nur noch in meinem Inneren vorhanden, in meiner Erinnerung.

Das Bienenhaus, in dem er so viele Stunden verbrachte, liegt leer und einsam. Keine Bienen bevölkern es mehr. Ich kann nicht mehr hineingehen, während hinter dem Schleuderraum die dicke Rauchwolke seiner Imkerpfeife in der Luft hängt – wieder ein einzigartiger Geruch, den ich bis heute in meinem Bewusstsein herumtrage. Das Summen der Bienenvölker in ihren Kästen, das den langen, schmalen Bau erfüllte und die Sonnenstrahlen, die durch die Fenster im Dach den Rauch durchbrachen. Und dort hinein möchte ich noch einmal rufen dürfen: „Opa!“



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