• Autrice Regan Holdridge

Die Pille - das Allheilmittel für die Frau ohne Risiken und Nebenwirkungen?

Aktualisiert: 5. Okt 2020

Wie bei vielen junge Frauen kam auch bei mir irgendwann der Wunsch nach einer sichereren Verhütungsmethode als dem Präservativ. Obwohl ich aufgrund der vielen Erfahrungsberichte, die ich dazu gelesen hatte, der Pille sehr skeptisch gegenüberstand, ließ ich mich von meiner damaligen Frauenärztin überzeugen: Eine Pille sei heutzutage überhaupt nicht mehr bedenklich, habe fast nie Nebenwirkungen und überhaupt sei sie so etwas wie das Allheilmittel bei allen Problemen rund um die Periode.

Wer wie ich von extrem starker Monatsblutung geplagt wurde und das seit dem 12. Lebensjahr, der kann nachvollziehen, welch herrliches Gefühl es plötzlich gewesen ist, gar keine Blutungen mehr zu bekommen. Die Tatsache, dass das vielleicht nicht unbedingt normal sein kann, auch nicht mit Pille, ist damals nicht bis zu meinem Bewusstsein durchgedrungen. Zu groß war die Euphorie, endlich ein normales Leben führen zu können, ohne alle drei Wochen stündlich eine halbwegs saubere Toilette in greifbarer Nähe wissen zu müssen und meine komplette Planung, was Freizeitaktivitäten anbelangte, nach dieser Ungerechtigkeit der Natur zu richten.

Gestört hat mich allerdings die Tatsache, dass ich von der Pille meinen schlanken, sportlich trainierten Körper genauso plötzlich verloren habe, wie meine Periode. Innerhalb weniger Wochen hatte ich gut 15 Kilo an Wassereinlagerungen zugenommen. Das würde sich geben, meinte meine damalige Frauenärztin. Wenn man halt so spät mit der Pille anfinge wie ich (mit Ende zwanzig), müsse man sich nicht wundern, dass der Körper das nicht sofort vertragen würde. Aber sie hätte mir die beste Pille verschrieben, die es derzeit auf dem Markt gäbe. Klar, als Kassenpatient kostete das gute Stück ja auch nur schlappe 80 Euro Zuzahlung...

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Was mir selbst ebenfalls gleich zu Beginn aufgefallen ist: Meine positive Lebenseinstellung änderte sich schlagartig. Ich wurde auffallend launisch, zickig und pessimistisch. Ich traf völlig irrelevante und langfristig katastrophale Entscheidungen, bei denen mir im Nachhinein völlig schleierhaft ist, wie ich überhaupt jemals so handeln konnte. Damals, in meinem von Hormonen umnebelten Zustand, habe ich Dinge überstürzt und mich zu Wegen hinreißen lassen, über die ich heute nur den Kopf schütteln kann. An vieles kann ich mich auch gar nicht mehr erinnern, was ich in den drei Jahren mit dieser Pille angestellt habe. Es ist, als hätte ich damals wie im Drogenrausch gehandelt und wüsste kaum noch, was ich überhaupt alles getrieben habe. Es fühlt sich ein bisschen an, wie ein Blackout nach einer Sauftour – nur länger, mit einzelnen, lichten Momenten.

Angesprochen auf diesen seltsamen Verlust der Kontrolle über mich und meinen eigentümlichen Gefühlszustand, wurde ich von meiner Frauenärztin lediglich angemault, ich solle mich mal nicht so anstellen. Millionen Frauen würden dieselbe Pille nehmen und hätten keine Probleme, da würde es ausgerechnet bei mir zu so vielen Nebenwirkungen kommen. Man könne sich auch viel einbilden.

Nachdem ich mich dann innerhalb der drei Jahre mit dieser Pille in eine alptraumartige Ehe und in den finanziellen Ruin gestürzt hatte, war irgendwann schlicht kein Geld mehr da für unnötigen Kram wie eine Zuzahlung für eine Pille. Also schluckte ich die letzte und das war’s. Ein wenig in Trauer, dass nun die dreiwöchigen Horrorszenarien mit Blut, Krämpfen und Schmerzen wieder losgehen würden, stellte ich jedoch erstaunt fest, dass ich mich innerhalb von nur fünf Tagen wieder in mein altes Ich verwandelte. Mit einem Schlag betrachtete ich diesen Mann, den ich unter Einfluss der Pille kennengelernt und geheiratet hatte, offen gestanden mit einem gewissen Ekel und fragte mich, wie ich mich jemals dazu hatte durchringen können, ihn überhaupt an mich heranzulassen. Auch meine geschäftlichen Entscheidungen, die von meinem Ex-Mann initiiert worden waren, erkannte ich mit einem Schlag als komplette Fehlentscheidung. Es fühlte sich an, als wäre ich aus einer Art Dornröschenschlaf erwacht, in dem ich schlafgewandelt hatte und irgendwie irgendetwas getrieben hatte, was auch immer. Der Nebel um mein Bewusstsein war verschwunden und ich konnte wieder normal denken. Meine Überlebensgeister kehrten zurück und auch mein Kampfgeist, der heute stärker ist als je zuvor.

Für vieles war es jedoch schon zu spät. Auch glaubte mir immer noch niemand, dass eine Pille, die ja nun wie Vitaminlutschtabletten verschrieben wird, derartige Nebenwirkungen haben kann – niemand, außer meinem jetzigen Hausarzt. Dieser argumentiert komplett gegen all die schnell verschriebenen Hormone in der Gynäkologie, seitdem er Fortbildungsseminare diesbezüglich besucht und die Untersuchungsergebnisse dort gehört hat. Er ist der einzige, der sagt: Ja, solche Nebenwirkungen sind keine Seltenheit, sie werden nur noch immer nicht für ernst genommen, weil die Pille den Pharmakonzernen viel zu viel Geld bringt. Wie eben alles, was die Pharmaindustrie betrifft, der ich extrem kritisch gegenüberstehe, wie auch mittlerweile unserem gesamten Gesundheitssystem. Es geht nicht darum, einem als Patient zu helfen, sondern in erster Linie um das, was sich mit Medikamenten verdienen lässt. „Hilf dir selbst, sonst hilf dir niemand“ lautet deshalb auch meine erste Devise, bevor ich Ärzten heutzutage irgendetwas glaube.

Als Langzeitfolge sind bei mir die Krampfadern geblieben. Die kamen ebenfalls mit der Pille und sind leider auch nach dem Absetzen nicht zurückgegangen. Da steht mir irgendwann die nächste Operation bevor.

Aufgrund all dieser Erlebnisse bin ich zum absoluten Gegner der Pille geworden. Ich rate jeder Frau dringend dazu, sich selbst genau zu beobachten und bei jeder Veränderung, die ihr an sich selbst auffällt, darauf zu bestehen, das Pillenpräparat zu wechseln oder sie am besten, wenn möglich, ganz abzusetzen. Es gibt andere Verhütungsmethoden und sie wirkt auch nicht als Heilmittel, jedenfalls nicht auf Dauer. Kaum abgesetzt, ist alles wie bisher. Abgesehen davon werden die Langzeitfolgen der Pille in meinen Augen noch immer viel zu wenig ernst genommen, genauso wenig wie die Nebenwirkungen. Trotzdem wird sie schon sehr jungen Mädchen sofort verschrieben.

Mein Fazit: Nie wieder Pille!

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