• Autrice Regan Holdridge

Das Pferd meines Leben - Tränen, Träume und ein Versprechen

Aktualisiert: Juli 20

Das Pferd meines Lebens heißt Fiddle Dance. Er ist das letzte, das ich jemals besitzen werde. Nicht, weil ich nach ihm kein Pferd mehr haben möchte, sondern weil meine Lebensumstände sich in den vergangenen Jahren so drastisch verändert haben, dass ich mir schlichtweg keines mehr leisten kann. Eine Ehe mit einem Blender, einem Narzisten und eine Selbstständigkeit mit einer betrügerischen Verpächterin haben es geschafft, meine Zukunftspläne auf ewig zu ruinieren. Vorbei sind all die schönen Träume, auch der vom eigenen Pferd.

Vielleicht hatte ich deshalb im April 2011 das Glück, diese Anzeige im Internet zu finden, in der nur verschwommene Bilder irgendetwas wie ein Pferd darstellten. Er war scheu, vermutlich aufgrund der vielen Händlerhände durch die er gegangen ist und die ihre Spuren hinterlassen haben. Auch die Händlerin, bei der er zum damaligen Zeitpunkt stand, hatte keine Zeit, sich mit einem solch sensiblen und gehörig verdorbenen Pferd zu beschäftigen. Für mich allerdings stand in der Sekunde, da sie ihn aus dem Paddock holte, fest: Das ist meiner, ganz gleich, wie er sich unter dem Sattel benimmt. Ich habe diese Entscheidung aus dem Bauch heraus niemals bereut.

Fiddle und ich haben uns im Laufe der Jahre mehr als nur zusammengerauft. Wir passen perfekt zueinander – er ist ein Eigenbrötler und Dickschädel, hochsensibel, unangepasst und temperamentvoll, genau wie ich. Er ist mein Freund, mein treuer Begleiter, er bemerkt schon aus mehreren hundert Metern, wenn ich mit meinem Fahrrad auf seinen Stall zukomme. Er begrüßt mich stets mit einem Brummeln oder leisen Wiehern – genau, wie ich es mir als Kind immer erträumt habe, als auf dem Fernsehbildschirm bei meinen Eltern noch „Fury“ flimmerte.

fiddle dance american saddlebred schönste pferderasse der welt


Fiddle ist ein eingetragenes American Saddlebred Horse – die Erfüllung des Kindheitstraums, einmal im Leben ein Pferd wie Fury zu besitzen. Der Hengst, der Fury in der Fernsehserie spielte, gehörte ebenfalls dieser Rasse an und ich habe ihm eine eigene Seite gewidmet.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich eins fand, auch deshalb, weil American Saddlebreds hier in Europa nicht sehr verbreitet sind – ganz im Gegensatz zu ihrer Heimat, den USA, wo sie beliebte Freizeitpferde sind und in etwa vergleichbar wie bei uns der Haflinger: In fast jedem Stall findet man sie.

Fiddle und ich haben gemeinsam die schlimmsten Jahre meines Lebens durchstanden. Ihn für mich zu retten war teilweise mit größten Opfern, Erniedrigungen und Erpressung durch meinen Ex-Mann verbunden. Ich habe das alles irgendwie ertragen, geschluckt und mich ganz darauf konzentriert, mir immer wieder zu sagen: Dieses Pferd gehört zu dir und du wirst nicht zulassen, dass jemand wie dieser Mann, der ohnehin noch viel mehr in deinem Leben zerstört hat, es dir wegnimmt.

Im Nachhinein bin ich stolz auf mich. Ich habe die Drohungen überstanden, die Verleumdungen, habe meinem Ex-Mann alles Geld gegeben, was er im Gegenzug haben wollte, damit er Fiddle nicht verkauft, nachdem er die Papiere an sich gebracht hatte. Jedesmal kam er, wenn er wieder pleite war und hat Geld von mir verlangt. Mit selber arbeiten auf ehrliche Art und Weise hatte er es ja noch nie. Dann kam er lieber zu mir und sagte: „Wenn du mir nicht Summe X gibst, muss ich Fiddle verkaufen.“

Seinen Onkel wollte er auch losschicken und ihn abholen lassen, damit ich lernen würde, was es heißt, nicht das zu tun, was er von mir verlangte. Jedesmal kam er mit neuen Druckmitteln, um mich zu zwingen, ihm Geld zu geben. Hätte ich die Papiere gehabt, ich wäre längst weg gewesen – und dessen war er sich mit aller Berechnung vollstens bewusst.

Irgendwann waren ihm einige Genossen auf den Fersen, die seine Lügereien wohl auch satt hatten und das war meine Chance. Jetzt konnte ich das Blatt wenden und gegen eine Zahlung von mehreren tausend Euro durch meine Schwester rückte er die Papiere wieder heraus. Das war meine Möglichkeit zur Flucht. Weg aus dieser Stadt, zurück nach Hause, weg von diesem Menschen, von dem ich bis heute nicht weiß, warum ich ihn überhaupt geheiratet habe.

Genau genommen, habe ich Fiddle zweimal gekauft: Einmal von der Händlerin und einmal von meinem Ex-Mann, denn meine Schwester hat mir das Geld damals natürlich nur geliehen. Vielleicht hat Fiddle deshalb auch diesen enorm hohen Stellenwert für mich. Ich habe alles gegeben, damit er bei mir bleiben und ich mein Versprechen an ihn einzulösen kann, dass er bis zum letzten Tag bei mir bleibt.

Fiddle genießt heute sein Leben in einem kleinen Offenstall mit seinem besten Kumpel. Beide sind sie nicht mehr die Jüngsten. Die Matschkoppel ist so gut wie das ganze Jahr offen, auch, wenn es ihm bei schlechtem Wetter nicht genehm ist, sich einregnen zu lassen. Er ist und bleibt eben ein ganz eigener Charakter. Einen wie ihn könnte ich ohnehin nie wieder finden. Er ist etwas Besonderes und das weiß er auch und genauso benimmt er sich auch an manchen Tagen. Aber das macht nichts, denn genau solch ein Pferd wollte ich immer, eben einen Fury – einen, der sich nicht brechen lässt und er hat mich bis zum heutigen Tag noch nie enttäuscht.

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