• Autrice Regan Holdridge

Beziehung mit einem Narzisten - Denn sie wissen nicht, was sie tun...

Aktualisiert: 5. Okt 2020

„Ich werde alles dafür tun, dass du glücklich wirst“, sagte er. „Denn ich habe eine Krankheit und deshalb sehe ich das Leben anders.“

Schön, dachte ich. Denn ich sehe es auch ein bisschen anders als die meisten. Ich habe verrückte Träume, wilde Ziele und mag es, anders zu sein, aus der Rolle zu fallen. Was ich nicht wusste damals und es hat sechs Jahre gedauert, bis ich es verstand: Ich hatte es mit einem Narzisten zu tun.

Er redete schön, ich empfand großes Mitgefühl wegen seiner angeborenen Krankheit, die seine Lebenserwartung auf im Schnitt 35 Jahre herabsetzt und glaubte, mit so einem Menschen könne man etwas schaffen, eine wunderbare Beziehung führen und jede Sekunde genau aus diesem Grund voll genießen.

Ich kannte den Ausdruck „Narzist“ zuvor nicht und musste auf schmerzhafte Weise erst lernen und begreifen, dass es solche Menschen gibt und dass sie nur ihr eigenes Bestes im Sinn haben.

Genau das liegt vermutlich in seiner Krankheit und auch in seiner Erziehung begründet. Alle Frauen, auch seine eigene Mutter, waren in den Augen seines Vaters mehr oder minder Psychopathinnen. Alle waren sie daran Schuld, dass die Beziehungen nicht hielten – sogar mir gegenüber äußerte er sich abfällig dahingehend, dass immer die Frauen „nicht ganz dicht“ gewesen seien. Wie soll ein Mann ein anderes Frauenbild entwickeln, wenn er vom Vater nichts anderes vorgelebt bekam, als dass immer der Partner Schuld trägt? Wie will jemand, der bis vor wenigen Jahren niemanden mehr hasste als seine eigene Mutter, plötzlich dieses Weltbild ändern und das, was tief seit seiner Kindheit verwurzelt ist, hinter sich lassen? Das klappt vielleicht oberflächlich, weil sich ein Narzist immer gut verkaufen kann, er findet für jeden die richtige Geschichte zur passenden Zeit, selbst wenn aus des Wurzels Kern plötzlich sieben verschiedene Varianten entspringen. Das macht ihm nichts. Hauptsache, er kommt mit seinen Lügereien und Ausreden ans Ziel. Darauf angesprochen, bekommt man dann Antworten wie: „Das gehört so, das musst du auch lernen, sonst kommt man im Leben nicht weiter!“ oder „Das bildest du dir ein! Du bist psychisch krank und unterstellst mir falsche Sachen! Geh mal lieber in Behandlung!“

Wie oft bin ich fassungslos und kopfschüttelnd daneben gestanden und habe ihn schamlos seine angeblich besten Freunde belügen hören? Es war ihm völlig gleich und wehe, ich habe ihm daraus einen Vorwurf gemacht!

Vintage girl vintage style vintage kitchen

Überhaupt kann man als Partner im Leben eines Narzisten nie etwas recht machen. Zuerst will er eine Hausfrau haben, die für ihn kocht und das Hausmütterchen mimt. Parallel dazu soll man aber bitteschön auch erfolgreiche Geschäftsfrau sein. Deshalb lässt man sich zu einem finanziellen Harrakiriunternehmen bequatschen, das man selbst überhaupt nicht gutheißen kann. Pachten sei genauso gut wie kaufen, meinte er damals zu mir, denn er wisse es ja besser, er sei schließlich Geschäftsführer gewesen und hätte Ahnung von solchen Dingen. Ich dagegen hätte ja nie etwas erreicht im Leben, außer versponnene Träume und deshalb auch gar kein Anrecht, mich einzumischen oder ihm etwas sagen zu wollen.

Im Nachhinein weiß ich, dass er genau Ahnung von drei Dingen hatte: Grillpartys veranstalten, das Geld mit offenen Händen zum Fenster hinauswerfen und ständig einen anderen Schuldigen finden, wenn er Mist gebaut hatte – einmal war es ich, dann meine Mutter, dann meine Schwester und schließlich meine ganze Familie. Denn außer ihm arbeitete schließlich niemand hart und außer ihm hatte auch niemand Ahnung von Geschäften und außer ihm wusste keiner, wie das mit dem Leben überhaupt funktioniert...

Auch ist man als Ehefrau eines Narzisten natürlich selbst dafür verantwortlich, wenn dieser sich käufliche Liebe holt, während er sich parallel eine blonde Apothekerin als Mätresse von eurem Geld unterhält, ihr von eurem Geld ein Pferd kauft und es auf Kosten eurer Firma in einem anderen Stall unterstellt. Schließlich habt ihr es nicht geschafft, die neue Selbstständigkeit aufrechtzuerhalten, täglich während seines Krankenhausaufenthalts für ihn da zu sein und noch das Finanzamt von der Backe zu halten, das euch den Laden schließen wollte. Warum das so kam? Weil das angekündigte Engagement des Ehegatten in Sachen Buchhaltung leider auch nur aus heißer Luft bestand und der werte Herr alle Schreiben einfach ungeöffnet liegen ließ. Wirkliche Arbeit, mit Organisation und allem, was dazugehört ist nämlich nicht so sein Ding. Dazu sei er auch überqualifiziert – laut eigener Aussage. Hauptsache, der Rubel rollt und das Bild nach Außen, der Schein wird gewahrt. Für strukturierte, kontinuierliche Arbeitsabläufe bleibt neben seinem Job als Partyveranstalter und viel Ratsch und Tratsch an der Reithallenbande leider keine Zeit und darum sind die Unterlagen mit letztem Termin immer noch nicht beim Finanzamt angekommen... Deshalb gibt’s jetzt auch eine Geliebte, denn ihr habt leider die Erwartungen einer Geschäftsfrau mit Krankenschwesterfähigkeiten und Mutterinstinkt, die 24 Stunden rödeln kann und noch immer nicht zusammenbricht, nicht erfüllt...

Jede andere hätte spätestens zu diesem Zeitpunkt die Schlüssel des eigenen Autos genommen und den Narzisten vor die Tür gesetzt. Ich war leider zu dumm oder zu gutmütig oder zu positiv eingestellt, dass man einen solchen Menschen ändern könne...man kann es nicht...er ändert sich nie, egal, wie weit man als Frau für ihn geht, wie weit man sich selbst aufgibt und alles für diesen Mann tut. Es ist nie genug und wird niemals genug sein, obwohl er ständig mit Worten das Gegenteil behauptet.

Sechs Jahre habe ich gebraucht, um mich endgültig von diesem Mann zu lösen – er wusste sehr geschickt, wie er mich finanziell von sich abhängig machen konnte. Mit vollem Kalkül nutzte er aus, womit ich für ihn erpressbar war und hat nie Skrupel gezeigt, diese Trümphe gegen mich auszuspielen, wann immer er sie benötigte. Streckenweise wollte ich deshalb aufzugeben – etwas, das man von mir davor nicht kannte. Zu meinem Glück beging auch der Narzist einmal einen Fehler und an dem Tag konnte ich das Blatt drehen und ich war diejenige, die die Bedingungen stellte und somit meine Flucht möglich machte.

Ein Narzist braucht keine einzige Frau in seinem Leben – er braucht alle, er muss wissen, dass er sie alle haben kann und ob er die eine, die immer noch zu ihm hält, damit verletzt und demütigt...das interessiert ihn nicht. Es geht nur um ihn selbst und man kann reden und diskutieren, es ändert sich nichts. Er will das auch gar nicht, er fühlt sich wohl als Sklaventreiber – am liebsten sind ihm die, die von ihm abhänging sind und die er ganz nach seinen Wünschen herumscheuchen kann. Zweiter Favorit sind Leute, von denen er merkt, dass er sie manipulieren und ganz leicht mit seinen Lügenmärchen so dirigieren kann, dass er alles von ihnen bekommt, was ihm gerade vorschwebt. Das macht ihm Spaß und da zeigt der Narzist auch plötzlich ungeahnten Ehrgeiz.

Ich versuche, nach vorn zu schauen, auch wenn mich dieses Kapitel meines Lebens häufig einholt und ich mich noch immer frage, wann ich hätte erkennen können, dass man einen solchen Menschen nicht ändern kann, egal, wie sehr man es versucht. Dass man sich irgendwann eingestehen muss, dass nicht jede Beziehung ein Happy End hat und es in Ordnung ist, wenn man irgendwann sagt, man hat alles gegeben und beendet es jetzt. Ich habe immer daran geglaubt, dass Liebe alles gut machen kann. Heute weiß ich: Sie kann es nicht. Manchmal reicht Liebe nicht und dann ist es besser, man wendet sich mit dieser etwas zu, das es zu schätzen weiß. Meine Tiere wissen das und deshalb gibt es die auch noch, während der Mann schon lange nicht mehr da ist. Und das, obwohl er mehrfach versucht hat, mir das Pferd wegzunehmen und mich damit bei jeder Gelegenheit auspresst hat wie eine Zitrone. Es war alles andere als ein schlechter Tausch, ganz im Gegenteil...ich lebe heute wieder frei, unabhängig und verbringe meine Zeit mit dem, was mich glücklich macht.

Wer je in die Fänge eines Narzisten gerät, der gibt sich am Ende selbst auf, wenn er nicht irgendwann den Absprung schafft und das Weite sucht.

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