• Autrice Regan Holdridge

Achte auf deine Träume, denn sie werden dein Schicksal

Es gibt Eltern, die haben genaue Vorstellungen davon, wie sie sich ihre Kinder wünschen und legen ihnen deshalb die Bürde auf, ihre eigenen, nicht gelebten Kindheitsträume zu erfüllen. Manchmal mag das in Ordnung sein, wenn die Talente und die Begeisterung des Kindes sich tatsächlich mit dem vereinbaren lassen, was den Eltern vorschwebt. Wenn sich dies jedoch gänzlich gegenteilig gestaltet und das Kind gezwungen wird, sich zu verformen, führt dies entweder zur Rebellion oder zum Rückzug. Bei mir war es zweiteres. Ich habe mich komplett in meiner Traumwelt, einer Parallelwelt vergraben und mich dort mit Dingen beschäftigt, die mir andernfalls nicht halb so wichtig gewesen wären. Denn ich war dort nicht ich selbst, ich war dort jemand, der ich gerne gewesen wäre und diese Person habe ich niemals im wahren Leben kennenlernen dürfen.

Maßgeblich betrifft dies die Pferde. Natürlich habe ich Pferde geliebt und wollte unbedingt reiten und ein eigenes haben. Welches kleine Mädchen will das nicht? Mir hätte es jedoch genügt, mit meiner Freundin einmal die Woche zum Reitunterricht gehen zu dürfen. Das wollte mein Vater jedoch nicht, weil es ja wichtiger war, dass ich mich der Musik widmete, die mich zwar null interessierte, aber die er als Kind sich gewünscht hätte, machen zu dürfen.

Als ich mir mit neunzehn endlich den Wunsch erfüllte, ins Ballett zu gehen, wurde mir plötzlich klar, dass die Pferde immer nur eine Flucht gewesen waren. Nur eine Traumwelt voller Cowboys und Indianer und ehrlicher Männer, die mich nicht mobbten und über mich lästerten und sich mein Aussehen lustig machten, wie es mir täglich in der Schule passierte. Winnetou, Bonanza und all die anderen Märchen hatten meine Vorstellung von reitenden Männern geprägt und es vergingen Jahrzehnte, ehe ich begriff, dass es diese Gentlemen im Sattel nicht gibt. Der Großteil der Männer, die sich heutzutage auf ein Pferd schwingen, haben immense Probleme mit sich selbst und ihrem Ego und versuchen es mit der Reiterei zu kompensieren. Das Schlimmste, was man sich als Frau als Partner aussuchen kann, ist ein Reiter.

Nach einiger Zeit im Ballett wusste ich, wohin ich gehen wollte: Nach Stuttgart, zum Tanzstudium, Tanzpädagogik. Endlich hinaus in die Welt, etwas sehen, erleben, auf eigenen Beinen stehen. Ich wollte mein Pony verkaufen, mir von dem Geld endlich den Höcker auf der Nase korrigieren lassen, wegen dem ich all die Jahre gemobbt worden war und für den ich mich so sehr schämte, dass ich mich kaum unter Menschen traute.

Leider habe ich mich wieder von meinen Eltern beeinflussen lassen. Das braucht’s nicht, lautete die Meinung. Irgendwann käme schon einer, der würde mich so lieben, wie ich sei. Außerdem solle ich mir die Romy Schneider anschauen. Die wäre schön und trotzdem unglücklich gewesen. Ich könne doch nicht von hier weggehen und das Pony verkaufen. Sie hätten es doch extra gekauft und den Stall hingebaut, also, hätte ich jetzt auch eine Verpflichtung und Verantwortung.

Dass ich diesen Weg nicht gegangen bin, bereue ich bis heute. Ich fiel in ein tiefes Loch der Sinnlosigkeit und ohne Orientierung und Ziel, was ich mit meinem Leben denn nun anfangen wollte.

achte auf deine traeume denn sie werden dein schicksal

Um dort heraus zu kommen, suchte ich nach einer Alternative, einem Strohhalm und den glaubte ich, bei den Pferden zu finden, denn die waren ja nun schon da. Ich bin nie eine überragende Reiterin gewesen, dazu fehlten mir die nötige Schulung und auch die richtigen Pferde. Auf Isländern lernt man kein vernünftiges Reiten, die kann jeder sitzen und eine mutige Reiterin war ich außerdem auch nie.

Ich weiß bis heute nicht, warum Ballett, Eiskunstlauf oder Skifahren nicht in Ordnung waren in den Augen meines Vaters, das Reiten dagegen schon. Das mit den Pferden hätte sich irgendwann recht früh schon im Sande verlaufen, das weiß ich heute, denn das Ballett steht unangefochten an erster Stelle und tat es mit Anfang zwanzig bereits. Der Tanz ist meine wahre Leidenschaft und ich hätte mich definitiv dafür und gegen die Pferde entschieden, wäre mir die Möglichkeit offengestanden, mich selbst auszuprobieren.

Wer jedoch als Kind nicht lernt hinauszugehen, sondern sich in seine Fantasiewelten verkriecht, sich völlig unrealistischen, abwegigen Zielen hingibt, weil er glaubt, irgendwann würde das Leben einen dafür entschädigen, dass man immer nur negative Erlebnisse hat und dann noch ermutigt wird, positiv zu denken, denn das könne Berge versetzen und alle Wünsche in Erfüllung gehen lassen, dem ergeht es irgendwann wie mir: Man greift nach den Sternen, obwohl diese nicht für einen bestimmt sind und schiebt sämtliche Warnzeichen weit von sich fort. Denn man hat ja gesagt bekommen: Wer nur fest genug glaubt könne alles erreichen, entgegen aller Vernunft. Der Absturz von dort oben ist härter und endgülter als man es sich je hätte ausmalen können und er lässt einen mit viel Reue zurück und dem Wunsch, nochmal von vorn anfangen zu können und es diesmal komplett anders zu machen. Leider gibt es keine Zeitmaschinen, die einem solche Möglichkeiten eröffnen würden...

Ich ließ mich auf eine Ehe mit jemandem ein, bei dem mein Bauchgefühl mich warnte, der mir jedoch das Blaue vom Himmel versprach und in Wahrheit nur an meinem Erbe interessiert war. Trotzdem verlor ich nicht den Glauben an Liebe und Glück. Das kam erst jetzt, als ich jemanden fand, von dem ich das Gefühl vermittelt bekam, er meinte es ernst, würde genauso in eine gemeinsame Zukunft blicken, wie ich es tat und der sich meiner dann doch, wie ein Stück Müll, von einem Tag auf den anderen entledigte. Er nahm nicht nur den größten Teil meiner bis dato noch immer recht positiven Lebenseinstellung mit, sondern auch jegliches Vertrauen darin, dass für jeden irgendwo einmal zumindest ein kleines Glück wartet.

Vielleicht hatte das auch sein Gutes, denn ich begann aufgrund dieser wahnsinnigen Enttäuschung, an der ich glaubte zu zerbrechen, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen und das auf eine Art und Weise, wie mir bislang immer der Mut dazu gefehlt hatte. Zu sich selbst ehrlich zu sein ist das Härteste, was man tun kann und ich musste mir eingestehen, dass ich nur in einem wirklich erfolgreich gewesen bin: Mein Leben zu ruinieren und mich selber unglücklich zu machen. Es ist an der Zeit, mich von den Dingen zu trennen, an die ich mich einst in aller Verzweiflung klammerte und von denen ich stets glaubte, dass sie mir wichtig wären. Heute weiß ich: Sie waren es nie, sie waren nur ein Rettungsanker für ein Kind, das keine Möglichkeit bekommen hat, sich selbst zu finden. Ich hätte niemals ein eigenes Pferd gewollt und mich nie in die Pferdebranche verrannt, hätte mein Vater mich nicht zur Musik gezwungen, sondern mir erlaubt, meine Grenzen auszutesten und in meiner Freizeit andere Kinder zu treffen, anstatt mich beim Akkordeonunterricht von ihnen zu isolieren, wie in Einzelhaft.

Die Wohnung leert sich, mein Leben dreht sich und es gibt Momente, da würde ich am liebsten auch den Hund und das Pferd abgeben. Sie haben ihre Bedeutung für mich verloren, erinnern mich täglich an all die Fehler, die den Scherbenhaufen unter mir haben immer noch höher und größer werden lassen. Aber sie sind beide alt und man gibt keine alten Tiere ab, für die man einst die Verantwortung übernommen und ihnen versprochen hat, dass sie bis zum letzten Tag bei einem bleiben dürfen.

Darum achte auf deine Träume und ob es tatsächlich deine eigenen sind oder nur etwas, von dem du glaubst, es zu brauchen, denn am Ende werden sie dein Schicksal...

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