IMG_7592_edited.jpg

Solange ich denken kann, war es mein Ziel, eines Tages einen eigenen Pferdehof zu haben. Aufgewachsen mit den „Mädels vom Immenhof“, der Broken Wheel Ranch und der Ponderosa, gab es für mich lange Zeit nur diesen einen Wunsch. Als fantasievolles Kind, das seinem unerträglichen Alltag nur durch Träumereien entfliehen konnte, gab ich mich der romantischen Vorstellung eines Lebens mit Ponys und jeden Tag Stunden im Sattel meines eigenen Pferdes hin. Dass sich daraus viel mehr entwickelte als für mich gut und richtig war, hing damit zusammen, dass die Pferde irgendwann mein einziger Halt wurden. Deren Bedeutung für mich und mein Leben nahm überdimensionale Ausmaße an und das, obwohl ich innerlich längst wusste, dass es nie mehr als ein nettes Hobby sein würde und meine reiterlichen Fähigkeiten niemals ausreichend für irgendeine Karriere im Reitsport. 

Irgendwann, mit Ende zwanzig, tat sich plötzlich die Möglichkeit auf, eine Reitanlage zu pachten und mit den Pferden in die Selbstständigkeit zu gehen. Ein grober Fehler, wenn man sich nur halbherzig dazu durchringt und der größte Teil auf Überredung von anderen beruht. Was ich zum damaligen Zeitpunkt auch noch nicht wusste: Ich hatte mir als Partner die beiden falschesten Personen ausgesucht, die man sich nur suchen konnte: Das eine war mein Ex-Mann und das andere die Verpächterin der Anlage. In dieser Kombination konnte das ganze Projekt nur zum Scheitern verurteilt sein. Ich trage bis heute die Konsequenzen aus dieser einen Fehlentscheidung und werde es tun, solange ich lebe. Mehr dazu findet ihr in meinem Blog und in einem Buch. 

Über viele Jahre waren das Pferdetraining und der Reitunterricht ein großer und wichtiger Bestandteil meines Lebens. Nicht, weil ich eine überragend gute Reiterin gewesen wäre oder mich dazu berufen sah, diese Richtung einzuschlagen. Viele Faktoren, unter anderem Menschen, die auf mich zukamen und mich baten, sie zu unterrichten, führten letztlich dazu, dass ich mich dem Reitunterricht und der Pferdeausbildung mit viel größerer Intensität zuwandte, als ich es sonst vermutlich getan hätte. Auch die Suche nach mir selbst, die mir als Kind verwehrt geblieben war, spielte dabei eine große Rolle und dass ich selbst gut war im Augen verschließen vor den Tatsachen. 

So habe ich zumindest versucht, eine faire und tiergerechte Einstellung zu vermitteln und eine grundlegende, reiterliche Basis und das Wissen der Biomechanik näherzubringen, die für jegliche Arbeit mit dem Pferd notwendig sind. Hier schlug vermutlich wieder die Ballerina durch, die sich intensiv mit Sportmedizin auseinandersetzte und dies auch für den Körper eines Pferdes als zwingend notwendige Grundlage erachtete.
Allerdings musste ich irgendwann realisieren, dass viele Reiter im Grunde gar nicht lernen und an sich selbst arbeiten wollen – sie haben weder dieselbe Einstellung zum Pferd wie ich, noch die nötige Selbstdisziplin, um diesen reiterlich jemals gerecht zu werden.

Lieber werden Sporen in die Bäuche gehackt und an den Gebissen gerissen, die Tiere ohne schlechtes Gewissen geschunden, anstatt sich selber beim Schopf zu packen. Das hat mich nicht nur unendlich frustriert, sondern auch sehr traurig gemacht. Ich selbst habe mich niemals auf ein Pferd gesetzt, um irgendwelche sportlichen Ziele zu verwirklichen. Die Vorstellung, die Kunst der feinen Kommunikation mit dem Pferd als "Sport" zu bezeichnen, ist mir ein Gräuel. 

 

Die Begegnung mit Jean-Claude Dysli führte letztlich dazu, dass ich zu einem Zeitpunkt, als ich bereits keine Lust mehr zu reiten hatte und mein altes Pony verkaufen wollte, wieder auf andere hörte und nicht für mich selbst entschied. Ich blieb, anstatt meiner inneren Intuition zu folgen und mit ein paar anderen Mädels aus der Tanzschule nach Stuttgart zu gehen, um Tanzpädagogik zu studieren. Stattdessen ließ ich mir einreden, im Pferdesport sei das große Glück zu finden - das einzige, was ich fand, waren mehr zerfledderte, kaputte Persönlichkeiten als ich mir je hätte vorstellen können, dass es sie auf diesem Globus gibt. 

Aufgrund der Erfahrungen im letzten Jahrzehnt habe ich mich dazu entschieden, der Reiterei den Rücken zu kehren. Mein American Saddlebred, die Erfüllung eines Kindheitstraums, ist mein letztes Pferd. Danach möchte ich all das nachholen, was ich aufgrund der Reiterei und der Pferde in meinem Leben bisher versäumt und vernachlässigt habe.

saddlebred portuguesa reiten klassisch bosal hackamore

1986: Erste Reiterfahrungen auf Nachbars Shetlandpony

press to zoom

Um das Jahr 2000 mit meinem alten Isländer beim ersten Kurs mit Jean-Claude Dysli

press to zoom

Beritt eines Spanierhengstes, der bei mir zur Ausbildung war.

press to zoom

1986: Erste Reiterfahrungen auf Nachbars Shetlandpony

press to zoom
1/8

Videos aus meiner Zeit als Pferdetrainerin und mit Jean-Claude Dysli finden Sie hier.