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So lange ich denken kann, war es mein Ziel, eines Tages einen eigenen Pferdehof zu haben. Aufgewachsen mit den „Mädels vom Immenhof“, der Broken Wheel Ranch und der Ponderosa, gab es für mich nur diesen einen Wunsch.

Irgendwann, mit Ende zwanzig, tat sich plötzlich die Möglichkeit auf, diesem Traum näher zu kommen und ich pachtete eine Reitanlage. Was ich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht wusste: Ich hatte mir als Partner die beiden falschesten Personen gesucht, die man sich nur suchen konnte. Das eine war mein Ex-Mann und das andere die Verpächterin der Anlage. In dieser Kombination konnte das ganze Projekt nur zum Scheitern verurteilt sein. Ich trage bis heute die Konsequenzen aus dieser einen Fehlentscheidung und werde es tun, so lange ich lebe. Mein Traum vom eigenen Hof war damit ausgeträumt und das radikaler und endgültiger, als es für mich je vorstellbar gewesen ist.

Mein Herz allerdings schlägt immer noch für Pferde und ab und an würde es mich auch reizen, wieder Reitstunden zu geben und Pferde zu trainieren. Das war es ja im Grunde, was mich angetrieben hat: Diese Welt für Pferde schöner und gerechter zu machen. Doch man muss im Leben dann auch irgendwann akzeptieren, wenn durch die eigenen Fehler jeder Weg in diese Richtung für immer verbaut ist.

Über viele Jahre waren das Pferdetraining und der Reitunterricht ein großer und wichtiger Bestandteil meines Lebens. Mit Leidenschaft und großer Liebe zu den Pferden habe ich versucht, eine faire und tiergerechte Einstellung zu vermitteln und eine grundlegende, reiterliche Basis und das Wissen der Biomechanik näherzubringen, die für jegliche Arbeit mit dem Pferd notwendig sind. 
Allerdings musste ich irgendwann realisieren, dass viele Reiter im Grunde gar nicht lernen und an sich selbst arbeiten wollen – sie haben weder dieselbe Einstellung zum Pferd wie ich, noch die nötige Selbstdisziplin, um diesen reiterlich jemals gerecht zu werden.

Lieber werden Sporen in die Bäuche gehackt und an den Gebissen gerissen, die Tiere ohne schlechtes Gewissen geschunden, anstatt sich selber beim Schopf zu packen. Das hat mich nicht nur unendlich frustriert, sondern auch sehr traurig gemacht. Ich selbst habe mich niemals auf ein Pferd gesetzt, um irgendwelche sportlichen Ziele zu verwirklichen. Die Vorstellung, die Kunst der feinen Kommunikation mit dem Pferd, als "Sport" zu bezeichnen, ist mir ein Gräuel. Sport betätige ich beim Radfahren oder Ballett, aber sicherlich nicht im Sattel meines Pferdes.

 

Die beiden Wege, die ich mit Überzeugung heute noch in der Reiterei beschreite, gehören der Philosophie an, die mir Jean-Claude Dysli über mehr als ein Jahrzehnt mit auf den Weg gegeben hat, sowie der klassischen Reitkunst in ihren allumfassenden Grundsätzen.

Beide, einander nicht unähnlichen Reitweisen, sind für mich das, was ich als würdig gegenüber der Kreatur Pferd erachte und was ich selbst vertreten und präsentieren möchte.

Der Respekt gegenüber dem Tier muss prinzipiell an erster Stelle stehen.

Bosal Hackamore altkalifornisch spanisch Portuguesa
PRE Hengst Bodenarbeit Parelli

Videos aus meiner Zeit als Pferdetrainerin und mit Jean-Claude Dysli finden Sie hier.