FURY - DER FILMSTAR

Eine Hommage an das Pferd meiner Träume

Fury-Giant Highland Dale

"The story of a horse and the boy who loved him" – so sagt der Sprecher im amerikanischen Original während des Intros, das über die vergangenen Generationen so viele Mädchen und Jungen begeistert hat. In Deutschland ist durch die Synchronisation folgender Satz im Gedächtnis haften geblieben: "Na, Fury? Wie wär's mit einem kleinen Ausritt? Hast du Lust?"
Und der Hengst kniet sich nieder, um den kleinen Jungen auf seinen Rücken schwingen zu lassen.

Ich gestehe es ohne Umschweife: Wer im Alter von zarten 4 Jahren das erste Mal als Pferdeverrücktes Mädchen vor dem Fernseher sitzt, damit der Traum eines Pferdes ins Wohnzimmer und in die Fantasie galoppiert, bei dem bleibt unwiderruflich etwas hängen. Jahrelang habe ich verzweifelt versucht herauszufinden, was für eine Rasse Fury gewesen ist und was aus ihm wurde. Erst das Internet um die Jahrtausendwende hat es mir möglich gemacht, endlich zu erfahren, für welches Pferd mein Herz seit Jahren schlug...

 

Der Hengst, der „Fury“ darstellte, wurde am 4. März 1943 auf einer Farm im Bundesstaat Missouri in den USA als „Highland Dale“ geboren. Er gehörte der Rasse des American Saddlebred Horse an. Mit gerade einmal 18 Monaten wurde Highland Dale von Ralph McCutcheon, einem bekannten und erfolgreichen Trainer von Tierfilmstars, entdeckt und gekauft. Schon bald erkannte Ralph McCutcheon, dass er es mit einem besonderen Pferd zu tun hatte, das gefordert werden wollte. Wenn dem Hengst langweilig war, fing er an, Dinge nachzuahmen und sich aus sämtlichen Boxen selbst zu befreien.

Mit 26 Monaten spielte er in seinem Filmdebüt den „Black Beauty“. Eine ungezählte Reihe von Film- und Fernsehauftritten folgte und wann immer ein schwarzer Hengst benötigt wurde, kam Highland Dale zum Einsatz, beispielsweise in dem Film „Giganten“ neben James Dean. Dort war er der edle Hengst von Liz Taylor. 1954 – also ein Jahr vor „Fury“ – erwartete ihn dann ein ganz besonderer Erfolg: Der Film „Treue“ (Originaltitel: Gypsy Colt). Dafür gewann der Hengst einen „Patsy Award“, eine Art Oscar für Tierstars. Für die Rolle des „Fury“ wurde er 1960 und 1961 zweimal Drittplatzierter. Erfolgreicher blieb nur der Collie "Lassie".

Highland Dales Bekanntheitsgrad war nie wieder so groß, wie in den Jahren als er den schwarzen Mustang der „Broken Wheel Ranch“ mimte. Zu diesen Spitzenzeiten war der Hengst mit über einer Viertelmillion Dollar versichert. Zu Anfang der Serie verdiente er 1.500 $ pro Episode – und später 5.000 $ pro Woche. Sein Trainer und Besitzer Ralph McCutcheon nannte sein „Wunderpferd“ übrigens nie bei seinem richtigen Namen, sondern immer nur „Beaut“.

Beaut war durch Belohnung trainiert worden und er wurde es nie müde, für seine Lieblingsbelohnung alles zu tun: Karotten.

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Ralph McCutcheon Dice
Gypsy Colt Highland Dale

Im Jahr 2006 hatte ich das große Glück, den ehemaligen Kinderdarsteller des "Joey", Bobby Diamond, in den USA persönlich zu treffen. Mit ihm konnte ich mich ausführlich über die Serie, die Drehbedingungen und das Training dieses Pferdes unterhalten. Es war eine der außergewöhnlichsten Begegnungen meines Lebens. Alles, was über das Training des Pferdes bekannt ist, deckt sich mit dem, was Bobby Diamond mir berichtet hat.

 

Ralph McCutcheon zählte zu einem der erfolgreichsten Tiertrainer Hollywoods, der in erster Linie ein Pferdenarr war und sich zudem für sein Engagement zum humanen Umgang mit Tieren vor der Kamera einen Namen machte. Bisweilen beherbergte er bis zu 70 Pferde in seinem Stall. Viele Film- und Fernsehleute brachten ihre Pferde zu ihm auf die „Rancho Maria“ im San Fernando Valley, damit sie Tricks für Film- oder Fernsehaufnahmen lernten. Ein weiteres seiner bekannten Pferde war ein schwarz-weißer Paint, dessen auffällige Zeichnung ihn zum bevorzugten Partner von Hollywoodgrößen in zig Filmen machte: Dice.

Das absolute Ausnahmepferd allerdings war Ralph McCutcheons schwarzer Hengst. Er lernte nicht nur schneller als die anderen Pferde, sondern beherrschte auch wesentlich mehr Lektionen.

 
Beaut besaß einen besonderen Stellenwert im Leben seines Trainers und Besitzers. Er durfte sogar dessen Swimming Pool mitbenutzen und die Yacht der McCutcheons hieß selbstredend „Fury“.

Ralph McCutcheon betonte, dass sein Beaut kein abgerichtetes „Trick-Pferd“ sei: „Er ist ein trainiertes Pferd! Und das macht einen großen Unterschied. Ein Trick-Pferd bringt seine Stunts, wie er sie gelernt hat. Aber ein trainiertes Pferd scheint die Dinge zu verstehen, die ihm beigebracht wurden. Die Drehbuchautoren bringen ständig neue Sachen in die Skripts. Ich habe Beaut nur irgendwie erklärt, was er tun muss, direkt am Set. Und nach ein, zwei Proben hat er es gemacht.“

Einmal wurde für „Fury“ eine Szene mit einem echten Löwen gefilmt, erinnerte sich Bobby Diamond bei unserem Treffen. Ein dickes Glas war zwischen Beaut, die Schauspieler und den Löwen gestellt worden, um das Raubtier zurückzuhalten. Der hielt jedoch nicht viel von dieser Idee, sprang durch die Scheibe und plötzlich sah sich Beaut dem Raubtier gegenüberstehen. Die beiden Tiere wechselten einen fragenden Blick, dann trottete Beaut gelassen davon, während die anderen Schauspieler in Panik flohen, alle – bis auf Bobby Diamond. Der Junge blieb zurück, um Fotos mit seiner gerade erst neu erworbenen Kamera zu schießen.


Highland Dale litt Zeit seines Lebens an einer Stauballergie, sodass er Heu immer nur in eingeweichter Form zu sich nehmen durfte. 1972 verstarb der Hengst im Alter von 29 Jahren auf der Ranch der McCutcheons in Kalifornien. Ralph McCutcheon folgte ihm wenige Jahre später. Als letzter Hauptdarsteller der Serie, ist Bobby Diamond im Mai 2019 verstorben. Dafür, dass er seine Erinnerungen mit mir geteilt hat, werde ich ihm ewig dankbar sein. Sie haben mich zu einem noch größeren Fan dieses Hengstes Highland Dale und des American Saddlebred Horses werden lassen!

„Fury, brightness, my old friend! I’ll come to talk to you again!”

Bobby Diamond 2006 FOTW

Bobby Diamond (1943 - 2019) & ich (2006 Phoenix, Arizona)

Wer sich weiter mit dem Thema "Pferde in Hollywood" beschäftigen möchte, dem empfehle ich das Buch "Hollywood Hoofbeats". Autorin ist die Tochter des legendären Schauspielers Robert Mitchum. 

Amazon.com: Hollywood Hoofbeats: Trails Blazed Across The Silver Screen (9781931993388): Mitchum, Petrine Day, Pavia, Audrey: Books